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Contergan-Opfer klagen weiter an

Wentorf. Das Arzneimittel Contergan wurde in Deutschland im November 1961 vom Markt genommen. Mehr als 2700 Frauen und Männer haben jedoch seit fast 50 Jahren täglich mit den unmittelbaren Nachwirkungen des Medikaments zu kämpfen. Monika Koop ist eine von ihnen.
Das Medikament Contergan hat Ende der 1950er-Jahre zu Missbildungen bei 5000 Babys geführt.
Foto: BZ
Das Medikament Contergan hat Ende der 1950er-Jahre zu Missbildungen bei 5000 Babys geführt.
Monika Koop und ihr Mann Rüdiger setzen sich für die Rechte der Opfer ein.
Foto: Kristina Vogt
Monika Koop und ihr Mann Rüdiger setzen sich für die Rechte der Opfer ein.
Die 49-Jährige ist mit verkürzten Armen, missgebildeten Händen und Schultern zur Welt gekommen, leidet jetzt unter starken Schmerzen und merkt, wie langsam ihre Körperkräfte schwinden. Am Sonnabend, 7. August, wird sie von 10 bis 13 Uhr im Wentorfer Casinopark über ihr Schicksal und das der anderen Contergan-Opfer aufklären. Viele sind wie sie im „Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e.V.“ (BCG) engagiert. „Wir wollen eine gerechte Entschädigung von den Verantwortlichen, damit wir wenigstens die letzten Jahre selbstbestimmt leben können. Die Zeit rennt uns davon. Vielen Betroffenen geht es mit den Jahren immer schlechter, teilweise sterben sie. Trotzdem müssen selbst Menschen ohne Arme und Beine und mit womöglich inneren Schäden um jedes Hilfsmittel kämpfen“, hat die lebensbejahende 49-Jährige festgestellt. Die Renten, für mittlerweile hauptsächlich der Staat aufkommt, seien gering.
Solange sie noch kann, möchte sie für die zahlreichen Betroffenen sprechen, die selbst nicht die Kraft oder den Mut dazu haben. Die zierliche Frau lächelt oft, über ihre Lage berichtet sie ohne Selbstmitleid. Sie sei nicht verbittert, nur wütend. So gehe es den meisten. „Viele Betroffene sind allein geblieben. Inzwischen sind nur noch wenige Eltern in der Lage, ihre Kinder zu pflegen. Die einzige Lösung ist oft der Gang in ein Heim. Durch den Altersunterschied zu den Senioren kommen zur gesellschaftlichen Ausgrenzung weitere seelische Belastungen hinzu“, erklärt die Betroffene. Ein weiteres Problem: Der Heimaufenthalt muss oft von Angehörigen finanziert werden.
Monika Koop hat im Gegensatz zu vielen Contergangeschädigten Anspruch auf eine reguläre Rente, da sie mehr als fünf Jahre als Telefonistin arbeiten konnte. Mit Mitte 30 musste sie in Rente gehen. „Ein komisches Gefühl“, sagt sie. Ihre Familie gibt ihr Rückhalt. Die sympathische Frau ist seit knapp 30 Jahren glücklich verheiratet und hat mit ihrem Mann vier Kinder.
Ihre Lebensqualität leidet dennoch zusehends: „Die Schmerzen nehmen zu, ich habe weniger Kraft als früher. Es macht einen hilflos, abhängiger.“ Besonders mit der Wirbelsäule hat sie starke Probleme. „Unsere Gelenke und unser Knochenbau ist für diese Art der Belastung nicht geschaffen.“
Lange Zeit wusste sie selbst wenig über die Hintergründe ihres Leidens. In ihrer Familie und denen der anderen Betroffenen wurde das Thema kaum erörtert. „Behinderte und deren Eltern wurden damals noch sehr stark diskriminiert. Viele von uns sind deswegen auch in Heime abgegeben worden.“
Durch Zufall sahen Monika Koop und ihr Mann Rüdiger (51) dann Ende 2007 den Fernsehfilm „Nur eine einzige Tablette“, der den gesamten Contergan-Skandal und das Schicksal der Betroffenen beleuchtete. Zum ersten Mal setzte sie sich daraufhin mit dem Thema auseinander. „Der Film hat mich sehr aufgewühlt. Wie die einzelnen Akteure gehandelt haben, wusste ich nicht, das ist schon sehr skandalös.“ Monika Koop machte sich schlau, nahm Kontakt zu anderen Betroffenen auf. „Erst dann habe ich realisiert, was für ein Unrecht man diesen Leuten angetan hat“, ergänzt ihr Mann. „Auch ich habe früher Contergan hauptsächlich mit missgebildeten Gliedmaßen assoziiert, den typischen Flügelarmen“, sagt die 49-Jährige. Von Gesichtslähmungen, Blind-, Taub- und Stummheit einiger Betroffener wusste sie nichts. „Das ganze Knochengerüst ist anders konstruiert. Einzelne Organe, Adern und Nervenbahnen liegen bei jedem anders.“ Mitbetroffene hat Monika Koop erstmals im Rahmen der Recherchen kennengelernt. Früher habe sie den Kontakt nicht gesucht, wollte einfach so akzeptiert werden, wie sie ist.
So wir ihr ging es vielen. Für viele war der Fernsehfilm ein Schlüsselerlebnis. Das Contergannetzwerk wurde erst nach dem Film gegründet, so Koop. Darüber hinaus gibt es weitere Sprachrohre. „Ich gehöre keinem der Netzwerke an, bin aber bei allen dabei, wenn ich gebraucht werde. Viele Betroffene sind nicht aktiv, verstecken ihre Gebrechen, möchten nicht negativ auffallen. Ich arbeite daran, selbstbewusst aufzutreten“, sagt Monika Koop.
Wir haben ein gutes Leben zusammen“, fügt ihr Mann hinzu. Allerdings: „Es ist nicht in Ordnung, dass die Verantwortlichen nicht für eine anständige Entschädigung der Betroffenen sorgen. Zumindest die letzten Jahre sollten für sie doch schöne Jahre sein.“
2 Kommentare
SchwaArnul meint:
>>Wir wollen eine gerechte Entschädigung von den Verantwortlichen, damit wir wenigstens die letzten Jahre selbstbestimmt leben können. Die Zeit rennt uns davon.<<

http://www.fewo-direkt.de/USA/urlaub-villa-Cape-Coral/p43344.htm

In diesem Fall scheint es doch ganz gut zu gehen, 220 qm Urlauber Villa in Cape-Coral.
Jenny Müller meint:
Es ist verwunderlich, dass Grünenthals Eignerfamilie Wirtz nicht mit den schwerbehinderten Opfern des Conterganskandals sprechen will. Die Aufnahme eines sinnvollen Dialoges ist der beste Weg, um zu einer würdevollen Entschädigungslösung zu kommen. Als Außenstehende habe ich den Eindruck, dass die Kränkung durch den Contergan-Skandal auf Seiten der Familie Wirtz größer ist, als die auf der Seite der Geschädigten. Ich denke, dies sollte auch der Ansatz der Conterganverbände sein: Mit den Herstellern darüber sprechen, warum sie mehr leiden als die Geschädigten.

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