Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/reinbek/article62831/Als_die_Retter_noch_mit_dem_Rad_zu_Hilfe_eilten.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Als die Retter noch mit dem Rad zu Hilfe eilten

Reinbek. Würden die Männer und Frauen der Oher Wehr heute in eine Zeitmaschine steigen und im Jahr 1882 landen, wären sie mit der größten Katastrophe konfrontiert, die das Dorf seit Langem gesehen hat.
Ortswehrführer Oliver Selke (li.) und sein Stellvertreter Sebastian Szymanski verdeutlichen in einem Bild, wie sehr sich die Brandbekämpfung gewandelt hat. Vom Fahrrad zum Löschgruppenfahrzeug, von der Wasserpumpe zum Hightech-Schlauch.
Foto: Susanne Holz
Ortswehrführer Oliver Selke (li.) und sein Stellvertreter Sebastian Szymanski verdeutlichen in einem Bild, wie sehr sich die Brandbekämpfung gewandelt hat. Vom Fahrrad zum Löschgruppenfahrzeug, von der Wasserpumpe zum Hightech-Schlauch.
Lichterloh steht die Kate von Johann Kröger in Flammen, das Feuer hat schon auf das Bauernhaus von Nachbar Joachim Knaack übergegriffen, auch zwei weitere Arbeiterkaten sind kaum noch zu retten. Anstatt in Anzügen aus hitzebeständigem Material und mit meterlangen Schläuchen und direktem Zugriff auf Löschwasser ausgestattet, stehen die Kameraden in einfacher Baumwollkleidung am Brandort, das ganze Dorf schleppt Eimer mit Wasser herbei, das mühselig aus dem Brunnen gepumpt werden muss. Auch eine Drehleiter ist nirgends zu sehen. Weil Atemschutzgeräte erst Jahrzehnte später erfunden werden, können die Helfer nur von Ferne löschen. Ihr Einsatz ist vergebens, das gesamte Hab und Gut wird Opfer der Flammen. Jetzt ist allen klar, dass der Brandschutz besser organisiert werden muss. 1885 wird die Feuerwehr Ohe offiziell gegründet, sorgt nun seit 125 Jahren dafür, dass die Oher nachts ruhig schlafen können.
Mittlerweile kann sich die Wehr nicht nur mit einem modernen Fuhrpark und mit sehr gut ausgebildeten Kameraden schmücken, sondern auch damit, dass die Mehrheit ihrer 49 aktiven Mitglieder um die 30 Jahre alt ist. Nachwuchsprobleme? Davon haben die Oher, die 200 fördernde Mitglieder haben, nur aus der Ferne gehört. „Wir haben das Problem schon erkannt, bevor es überhaupt akut wurde“, sagt Wehrführer Oliver Selke. „In vier Jahren haben wir 27 neue Mitglieder bekommen“, fügt sein Stellvertreter Sebastian Szymanski hinzu. Und so ist ein Ende der Brandschutztradition des kleinen Stadtteils nicht abzusehen.
Seit 1968 ist die Feuerwehr jetzt an ihrem heutigen Standort am Hoibeken 6, hat sich dort stetig erweitert. Seit ihrem 100. Geburtstag schwitzen die Lebensretter nicht nur beim Einsatz, sondern auch in der Blocksauna. „Ein Geschenk unserer finnischen Partnerwehr“, erzählt Selke. Wenn er und seine Kameraden tatsächlich eine Zeitreise unternehmen möchten, schauen sie in ihr eigenes Feuerwehrmuseum: Alte Helme, Schläuche, ein historischer Spritzenwagen, ein Signalhorn, Äxte und Beile, sogar ein knallrotes Einsatzfahrrad stehen dort. Der Clou: Alles ist sofort einsatzbereit.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008