Tierschutz
Wegwerf-Artikel Tier
Montag, 22. Februar 2010 18:45
- Von Susanne Holz
Reinbek. Sie sind abgemagert bis auf die Knochen, kurz vor dem Verdursten, stark verletzt. Die Fundkatzen, die derzeit bei der Tierrechtsorganisation Einhorn e.V. landen, sind in einem sehr schlechten Zustand.

Foto: Susanne Holz
Misha hat knapp überlebt. Die wenige Monate alte Katzendame war im Wald ausgesetzt worden. Halb verdurstet und verhungert kam sie ins Reinbeker Tierheim.
Fünf der zuletzt abgegebenen acht Katzen sind kurz nach Ankunft in der Herberge gestorben. Für sie kam jede Hilfe zu spät. „Den meisten Fundtieren geht es nicht gut, wenn sie zu uns kommen. Bei einigen Katzen kann man auf den Rippen Klavier spielen. Im Unterschied zu früher haben sie bei näherer Untersuchung jetzt jedoch schwerwiegende Krankheiten“, sagt Heimleiterin Karen Schönbrodt. Die Katzen sind beispielsweise nieren- oder zuckerkrank, haben Becken- oder andere Brüche.
Organische Krankheiten fallen zunächst bei der Erstuntersuchung nicht unbedingt auf. Hellhörig werden die Verantwortlichen jedoch, wenn sich nach zwei bis drei Wochen intensiver „Aufpäppelungsphase“ noch immer keine Besserung einstellt. Dann beginnt das volle Programm – Ultraschall, Röntgen, große Blutuntersuchung. „Wir haben im Monat Tierarztkosten von rund 1000 Euro“, sagt Schönbrodt. Ihre Vermutung: „Viele Menschen können sich die Arztkosten nicht mehr leisten, setzen ihre kranken Haustiere einfach aus.“ Mit Glück werden sie gefunden und ins Tierheim gebracht.
Ähnliche Erfahrungen machen auch Tierschützer in Geesthacht. „Dass Katzen und Hunde aus finanziellen Gründen abgegeben werden, häuft sich immer mehr. Viele Menschen werden arbeitslos. Spätestens wenn sie Hartz IV bekommen, landen viele Tiere schweren Herzens bei uns“, sagt Susanne Rathlev, Mitarbeiterin im Tierheim Geesthacht. Kostenlos ist die Abgabe nicht. 175 bis 250 Euro müssen Besitzer bezahlen, wenn sie ihren Hund oder ihre Katze im Tierheim zurücklassen. Dieses Geld deckt die entstehenden Unkosten, so Rathlev, jedoch bei weitem nicht. Um diese Kosten zu sparen, entledigen sich nicht wenige Besitzer ihrer einst geliebten vierbeinigen Familienmitglieder im Wald oder auf dem Feldweg in der Nachbargemeinde.
Nicht nur ein landesweiter, sondern ein bundesweiter trauriger Trend, wie Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Schleswig Holstein, betont. „Dieses Problem wird uns in Zukunft noch sehr viel mehr beschäftigen und zahlreiche Heime in den finanziellen Ruin treiben“, sagt er. Ohne Futter- und Geldspenden wären sie schnell überfordert.
Die Reinbekerin Karen Schönbrodt freut sich, dass es gelungen ist, Misha zu retten. Die wenige Monate alte Katzendame war völlig ausgemergelt im Wald gefunden worden. Sie hatte vor Schmerzen geschrien.
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