Winter
Verdreckter Schnee wird ins Billetal gekippt
Freitag, 19. Februar 2010 22:18
- Von Susanne Holz
Reinbek. Aus Sicherheitsgründen räumt die Stadt Reinbek derzeit mehrere Straßen, lädt den verunreinigten Schnee jedoch im Landschaftsschutzgebiet im Billetal ab.

Foto: Susanne Holz
Miriam Krützfeld (li) und Andrea Gusmann gehen täglich mit ihren Hunden an der Bille spazieren. Warum der Straßenschnee gerade hier abgeladen wird, können sie nicht nachvollziehen.
Wenn Tibetterrier Balu und Beagle Kim derzeit bei ihrem Morgenspaziergang im Bögepark ankommen, wähnen sie sich vermutlich in den Alpen. Auf ihrer Lieblingswiese türmt sich der Schnee meterhoch. Für Nachschub sorgen zahlreiche Lkw, die mehrmals stündlich durch die Loddenallee fahren und nahe der Bille abladen, was seit Wochen die Straßen und Wege blockiert: Die Stadt Reinbek lässt die Straßen Soltaus Koppel, Schaumanns Kamp, Rübezahlweg, Rosenstraße, Cronsberg, Kieler Straße, Schleswiger Straße, Danziger Straße und Lauenburger Straße räumen. Schnee und Eis hatten die Zufahrtswege bereits so blockiert, dass Rettungsfahrzeuge im Ernstfall nicht mehr durchkämen.
Mit Sorge betrachten Spaziergänger die Schneelandschaften, die in der Natur entstehen. „Der Schnee sieht grau und schmutzig aus, zudem ist er mit Streusalz, Straßendreck und Abfall angereichert. Wenn das alles bei Tauwetter in die Bille fließt, kann dies nicht gut für Tiere und Pflanzen sein“, äußert Miriam Krützfeldt, stellvertretend für viele besorgte Spaziergänger. Täglich macht die 45-Jährige mit Balu die Runde durch den Bögepark, beobachtet dabei Rehe, Greifvögel, sogar Kuckuck und Specht, genießt im Sommer die Natur im Billetal. „Warum wird der Schnee gerade hier abgeladen?“, fragt sich auch Hundebesitzerin Andrea Gusmann (43).
Der Platz war vom Tiefbauamt vorgeschlagen und vom Amt für Umwelt und Verkehr abgesegnet worden, obwohl die Wiese im Landschaftsschutzgebiet liegt. „Sie ist gut anfahrbar, hat genug Kapazität für mehrere Lkw-Ladungen“, erklärt Jürgen Vogt- Zembol, Leiter des Umweltamtes. Die Entscheidung könne er verantworten, weil in den betroffenen Straßen kaum Salz gestreut worden sei. „Überall, wo jetzt der Schnee schmilzt, landet es über die Kanalisation auch in der Bille“, rechtfertigt er.
Obwohl Naturschützer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, schließt sich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises in diesem Fall der Stadt an. „Natürlich ist es nicht glücklich, den Straßenschnee im Landschaftsschutzgebiet abzuladen. Wir sehen aber auch, dass dies ein besonderer Winter ist, wo man Kompromisse machen muss. Die Städte haben wenig geeignete Flächen“, sagt Hans-Gerd Eissing, Leiter des Fachbereichs Umwelt. Schwere Folgen für die Natur fürchtet er nicht.
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