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Fußgänger rüsten auf: Mit Keramiksohle auf die Eiskruste

Reinbek. Ganz Reinbek bewegt sich schlitternd und rutschend durch die Stadt: Auf den Nebenstraßen fahren Autos durch die vereisten Spurrinnen wie auf Schienen.
Spikes
Foto: Susanne Tamm
Birgit Brandmeier hat noch ein Paar Spikes für ihre Schuhe ergattert. Die „keramische Rutschsicherung“ wirkt wie grobes Schleifpapier.
Viele Fußgänger trauen sich nicht mehr vor die Tür, andere gehen lieber auf der geräumten Straße statt auf den mit Eiskrusten bedeckten Bürgersteigen. Die Unfallchirurgie des St, Adolf-Stiftes verzeichnet laut Dr. Thomas Gienapp 60 bis 70 Prozent mehr Patienten mit Knochenbrüchen als an üblichen Tagen.
Abhilfe schaffen wird schwierig: Streusalz ist kaum zu bekommen und auch Schneeschieber sind in der Eisenwarenhandlung Ellermann an der Bergstraße bereits ausverkauft. 200 hat Ulrich Ellermann diese Saison schon verkauft. Stattdessen hat er eine Warteliste für 20 Kunden eingerichtet. Das naheliegendste Gegenmittel gegen die Glätte fällt also aus, es sei denn man ist ausgerüstet und hat das Werkzeug noch nicht verschlissen.
Da bleibt Fußgängern nur noch die Selbsthilfe: „Wir haben bereits 80 Paar Spikes in diesem Winter verkauft“, berichtet Senior Rudolf Brandmeier von Brandmeier Schuhverkauf am Mühlenredder. Seine Frau Birgit hat noch ein Paar ergattert. „Die mit Stahldornen gab es leider nicht mehr“, sagt sie. Jetzt ist sie mit dem zweiten Modell in Reinbek unterwegs: eine keramische Rutschsicherung, die wie die Spikes mit breiten, flachen Gummibändern am Schuh gehalten wird. Sie wirkt wie grobes Schleifpapier. „Bei Eis helfen sie wunderbar“, erzählt Birgit Brandmeier.
Ihr Mann berichtet: „Wir hatten schon eine Warteliste mit 25 Namen, aber am Mittwochmorgen rief unser Lieferant an, dass er diese Saison nicht mehr liefern kann.“ Sein Sohn Sven Brandmeier, Inhaber des Geschäfts, bemüht sich jetzt in Österreich oder in den Niederlanden Nachschub zu bekommen.

Einige Tipps für den Notfall:

Im Internet gibt es diverse Lösungen, die man sich unter die Schuhe schnallen kann, wie die „Eiskralle“, elastische Bänder mit einer Edelstahlplatte und Antirutschkrallen.
  • Alternativen: Metallene Topfschrubber mit Einweckringen oder Teppich-Stopp unter den Sohlen befestigen.
  • Die „Schneekette aus der Dose“, ein Spray, das den Halt der Autoreifen auf Schnee und Eis verbessern soll, ist laut ADAC nicht zu empfehlen – es sei denn, man wollte sich alle 50 Meter die Schuhe einsprühen.
  • Ältere Menschen, die sonst zu Walking-Stöcken greifen, um sicherer zu Fuß zu sein, sollten jetzt lieber auf Ski-Stöcke ausweichen, die mit einer metallenen Spitze ausgerüstet sind.

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