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Versteigerung im „Affenfelsen“

Reinbek. Ein Tag beim Amtsgericht kann für Manfred Garlof auch ganz unspektakulär aussehen: 9 Uhr, der große Saal ist verwaist. Außer dem Rechtspfleger und der Vertreterin der Deutschen Kredit Bank (DKB) ist niemand erschienen.
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Foto: Anne Müller
Der Glinder Rechtsanwalt Manfred Garlof im Gespräch mit Rechtspfleger Lars Kynhoff.
„Das überrascht mich“, sagt der Glinder Rechtsanwalt: „Als die letzte Eigentumswohnung zwangsversteigert wurde, war der Raum voll.“ Dennoch, das Verfahren muss zügig vorankommen. Und so gibt Garlof (63) selbst ein Gebot für die Dreizimmerwohnung ab.
Allerdings nur pro forma, denn es liegt bei 50 Prozent des Verkehrswertes von 58.000 Euro. Und das darf die Bank beim ersten Versteigerungstermin nicht akzeptieren. Es folgt eine halbe Stunde Pause, in der Bieter ihre Chance wahrnehmen könnten. Heute wird keiner erscheinen. Die Bank lehnt das Gebot ab. Garlofs Ziel ist erreicht: Beim nächsten Termin darf die Wertgrenze von 70 Prozent wegen des heutigen Gebots unterschritten werden. Garlof hofft, dass die Wohnung dann versteigert wird und Geld in die Kasse kommt, um Forderungen seiner Mandanten zu begleichen.
Amtsgericht
Foto: Anne Müller
Justitia wacht im Gericht über Gerechtigkeit.
Der Anwalt kennt die Prozedur aus dem Effeff. Für 15 Wohnungen an der Sönke-Nissen-Allee ist die Versteigerung beantragt. Die Wohnblöcke aus den 1970er-Jahren werden im Volksmund auch als „Frauengefängnis“ oder „Affenfelsen“ bezeichnet. „Für die Großwohnanlagen gab es in den vergangenen Jahren wenig Interesse, seit Anfang des Jahres hat es zugenommen, die Versteigerungserlöse steigen“, so Garlof. Den Zwangsverkauf von fünf Wohnungen eines Eigentümers hat er aktuell zu bearbeiten. Der Besitzer ist unmittelbar nach dem Erwerb vor drei Jahren abgetaucht. Dafür addieren sich bei den anderen Eigentümern die Nebenkosten für die Eigentumswohnung im fünfstelligen Bereich. Die Gemeinschaft, die die Zeche zahlen muss, hat deshalb die Versteigerung beantragt. Sie haben nach einer Gesetzesänderung den ersten Zugriff auf den Erlös aus der Versteigerung, noch vor der Bank.
Für heute klappt Garlof die Akte zu. Denn in der Kanzlei warten weitere 1100 Mandate, Schwerpunkte sind das Insolvenzrecht, Familien- und Erbrecht. Die gute Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht Reinbek hat es dem Rechtsanwalt oft ermöglicht, Verfahren zügig voranzutreiben. Der persönliche Kontakt verschafft einen schnellen Draht zu den Richtern und Rechtshelfern. „Es kann sofort geklärt werden, ob Unterlagen fehlen“, so Garlof.
Auf seine Initiative hin wurde 1998 der Reinbeker Anwaltsverein gegründet, dem er vorsitzt. 33 Anwälte aus der Region gehören ihm an. „Das ist knapp die Hälfte der Anwälte, die im Bereich des Amtsgerichts professionell tätig sind“, so Garlof.
Für die Öffentlichkeit stelle sich die Tätigkeit eines Anwalts oft nur als die eines Strafverteidigers dar. Am umfangreichsten aber ist die Tätigkeit außerhalb der Gerichte. Dazu zählen Fortbildungen – auch hier hilft das Amtsgericht: „Der Gerichtsdirektor stellt uns den großen Saal zur Verfügung.“ Und der ist dann auf jeden Fall nicht verwaist.
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