Stadtteilbibiliothek
Nun doch Umzug in die Gertrud-Lege-Schule?
Donnerstag, 17. September 2009 21:00
- Von Anne Müller und Susanne Tamm
Reinbek. Angesichts hoher Planungskosten für Alternativen rudern die Politiker zurück: Einstimmig beauftragten sie die Verwaltung, die Kosten für einen Umzug der Stadtteilbücherei aus dem maroden Container in die Gertrud-Lege-Schule zügig zu prüfen.

Foto: Jan Horak
Die Filiale der Stadtbücherei in Neuschönningstedt kann nicht mehr saniert werden.
Da kam der Ausschussvorsitzende Hans-Jörg Carstensen (CDU) nicht mehr mit: Noch vor ein paar Monaten hatten sich alle Fraktionen vor den Standort der Bücherei in Neuschönningstedt gestellt. Die kleine Filiale der Stadtbibliothek sollte unbedingt erhalten bleiben. Die Verwaltung wurde beauftragt, vier Alternativen zu dem maroden Pavillon zu prüfen. Jetzt war davon in der Sitzung des Ausschusses für Jugend-, Sport- und Kultur nicht mehr die Rede. Angesichts der 16000 Euro für einen Planer, der das Bauamt personell bei der Bewertung verschiedener Alternativen entlasten sollte, oder der 750000 Euro für einen Neubau ruderten die Politiker erschrocken zurück. Einstimmig beauftragten sie die Verwaltung, die Kosten für einen Umzug in die Gertrud-Lege-Schule zügig zu prüfen.
Damit steht auch die Zukunft des Büchereistandortes am Querweg erneut zur Disposition. „Wir sind nicht bereit, 16000 Euro für Planungen auszugeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Bauamt das nicht schaffen kann“, sagte Renate Bublitz (Grüne). Angesichts des „teuren Neubaus“ schlug sie als pragmatische Lösung vor: „Die Bücherei geht als Schulbibliothek in die Gertrud-Lege-Schule, das Personal kommt in die Stadtbibliothek.“ Auch Baldur Schneider (SPD) empfahl, die Vorlage zurückzuziehen. „Warum haben wir überhaupt diese beiden Standorte in einer Stadt mit 25000 Einwohnern“, wollte Dithard Joppich (FDP) wissen. „Und dass das Bauamt personell nicht in der Lage ist, die Varianten zu prüfen, regt mich einfach auf“, fügte er hinzu. Margit Kindler (CDU) befand:„Die Planungskosten sind völlig utopisch angesichts der Haushaltslage. Wir sollten lieber alles lassen, wie es ist.“ Sie zeigte Sympathie für den Vorschlag der Grünen.
Oliver Plessner (Forum21) fand ebenfalls harte Worte für den Vorschlag, einen Planer für 16000 Euro einzusetzen, um den Prüfauftrag abzuarbeiten: „Wir haben offensichtlich nicht nur eine desolate Situation bei der baufälligen Büchereifiliale, sondern auch im Bauamt.“ Sollte die Filiale geschlossen werden, würden die 424 Leser nach Glinde wechseln und nicht in die Stadtbibliothek, vermutete er. Er sei zwar nicht gewillt, den Standort aufzugeben, aber auch nicht, „die marode Hütte noch einen Winter zu beheizen“. Die Filiale solle noch dieses Jahr in die Gertrud-Lege-Schule umziehen.
Amtsleiterin Magdalena Halle wies darauf hin, dass sich ohnehin Mitarbeiter der Büchereizentrale Rendsburg die Stadtbibliothek und die Filiale in Neuschönningstedt angeschaut haben. Sie legen ihre Verbesserungsvorschläge noch dieses Jahr vor.
Jörg Peters, Leiter der Gertrud-Lege-Schule, sieht für den Umzug keine räumlichen Kapazitäten. „Wir sind sehr interessiert daran, dass die Bücherei in unserer Nähe bleibt, aber das darf nicht zulasten unserer Schule gehen“, betont er. Für die Ganztagsschule, die auch politisch gewollt sei, brauche man Rückzugs- und Gruppenräume.
Die Bücherei in Neuschönningstedt hat 424 aktive Leser. Davon sind 228 Schüler, 356 kommen aus Reinbek. In 2009 gab es bisher 15192 Ausleihen.
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