Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/reinbek/article39589/Hurra_unser_Haus_brennt.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Hurra, unser Haus brennt...

Reinbek. ...und die Feuerwehr hat es vorher gewusst. Andrea und Peter Leicht haben ihr Abrisshaus am Nachtigallenweg in Ohe für eine Löschübung zur Verfügung gestellt.
Zurück Bild 1 von 8 Weiter
Andrea Leicht und ihre Tochter Emma (4) können sich freuen, denn aus ihrem Haus steigt nur Theaternebel und kein richtiger Rauch. Der Küchenbrand ist nur inszeniert.
Foto: Susanne Holz
Andrea Leicht und ihre Tochter Emma (4) können sich freuen, denn aus ihrem Haus steigt nur Theaternebel und kein richtiger Rauch. Der Küchenbrand ist nur inszeniert.
Peter Leicht grillt gut gelaunt Würstchen, seine Tochter Emma verputzt hungrig einen Teller Nudeln mit Tomatensoße. Ihre Mutter Andrea beobachtet währenddessen entspannt den Rauch, der aus ihrer Kellertür quillt, geht einmal ums Haus herum und betrachtet interessiert die weißen Schwaden, die sich ihren Weg durch die Haustürritzen und das Schlüsselloch bahnen. Währenddessen bummeln die Nachbarn auf dem Gehweg des Nachtigallenweges auf und ab, begrüßen mit Kopfnicken die Feuerwehrleute, die nach und nach in Ohe eintrudeln.
„Bist du jetzt ohnmächtig oder soll ich es sein? Und willst du lieber Glassplitter im Bein oder einen offenen Bruch?“ Selbst Gespräche wie dieses irritieren hier niemanden. Es ist Probeeinsatz in Ohe – eine Küche brennt – und alle haben es gewusst.
Ohes Wehrführer Oliver Selke beobachtet den Probeeinsatz im Abrisshaus.
Foto: Susanne Holz
Ohes Wehrführer Oliver Selke beobachtet den Probeeinsatz im Abrisshaus.
Andrea und Peter Leicht haben neu gebaut und das alte Haus auf dem gleichen Grundstück, das bald abgerissen werden soll, der Feuerwehr für eine Einsatzübung zur Verfügung gestellt. Die Nachbarn sind per Handzettel im Briefkasten vorgewarnt, keiner muss sich vor dem Theaternebel fürchten, der der Szenerie Echtheit einhauchen soll.
Dennoch muss jeder Handgriff sitzen, denn das, was am Donnerstagabend nur gespielt wurde, rettet im Ernstfall Menschenleben. Wie funktioniert die Teamarbeit? Sitzt beim Schläucheschleppen jeder Handgriff? Können die Kameraden mit einem Hooligan Tool Türen öffnen, finden sie die verletzten Hausbewohner – gespielt vom Schminktrupp des Deutschen Roten Kreuzes – und schaffen sie es, sie ins Freie zu bringen? Fragen wie diesen, will Wehrführer Oliver Selke nachgehen, auch Reinbeks Ortswehrführer Christian Niemann beobachtet den Ablauf des Einsatzes.
Schnell kommt Bewegung in die Sache. Ursula Müller vom DRK Schminkteam mimt eine Anwohnerin, die der anrückenden Feuerwehr aufgeregt schildert, dass ihre Küche brennt. „Wie viele Menschen sind im Gebäude?“, will Einsatzleiter Sebastian Szymanski wissen? Gibt es einen Haustürschlüssel, sind Türen offen? Wenig später schleppen die Einsatzkräfte rund 140 Meter Schläuche heran, die Feuerwehrmänner Jan Papke und Andreas Schulze brechen als Vorhut die Haustür auf, tasten sich auf Knien zum Brandherd in der Küche vor. Währenddessen eröffnen ihnen ihre Kameraden einen Fluchtweg. Über eine Leiter sind sie auf einen Balkon geklettert, haben Jalousien des Hauses zerstört, sich durch ein Loch ins Innere des Hauses gezwängt. Unermüdlich läuft von der Straße aus der Wasserwerfer auf vollen Touren, um das „brennende“ Haus von außen zu kühlen.
Aus dem Keller des Rotklinkerbaus dringen Hilferufe, die DRK-Statisten leisten ganze Arbeit. Wenig später haben die Feuerwehrleute sie gefunden, die Bergung beginnt. Als erstes wird Nadine Wolkenhauer (22) in Sicherheit gebracht. Gestützt auf einen Feuerwehrmann verlässt sie den Gefahrenort. „Aua mein Bein! Mann, pass doch auf“, ruft Christian Bohlmannn wenig später herzergreifend. Vier Mann beruhigen den 21-Jährigen, fixieren ihn auf einer orangefarbenen Trage. Keine leichte Arbeit, das Opfer schreit, die Männer tragen dicke Handschuhe. Auch die dritte vermisste Person wird gefunden. Allein die 80 Kilo schwere Übungspuppe, die im Badezimmer versteckt war, bleibt einsam und unbemerkt im Theaternebel sitzen. Unbeschadet hat sie ihren Heimweg zur Wache angetreten.
Wehrführer Oliver Selke ist mit dem Einsatz zufrieden, Familie Leicht glücklich: Denn nach der Feuerwehr kommen jetzt die Abrissbagger.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008