31.07.09

Polizei rät

Mobil sein ohne Führerschein

Aumühle. Ein Leben ohne Führerschein – das können sich die meisten Senioren nur schwer vorstellen. Polizist Jürgen Rodehorst zeigt Alternativen. Von Susanne Holz

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Foto: Susanne Holz

Jürgen Rodehorst, Leiter der Polizeistation Aumühle, weiß, wie sehr gerade ältere Menschen an ihrem Führerschein hängen.

Foto: Dörte Hoffmann

Josephine Krum (73), Wohltorf, hat sich gerade einen neuen BMW 316i angeschafft: Auf meinen Führerschein kann ich nicht verzichten. Wenn man mich zwingen würde, käme das einer Entmündigung gleich. Fahrtests sollte man lieber bei jüngeren Fahrern anwenden. Bei denen liegen die Probleme im Straßenverkehr, nicht bei den Alten.

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Prof. Lothar Teschke (73), Krabbenkamp, Fahrradfahrer: Vor einem Jahr hatte ich einen Schlaganfall. Da war für mich klar, dass ich nicht mehr Auto fahren will. Ich habe meinen Führerschein und dürfte fahren, halte das aber für verantwortungslos. Dabei kann ich wahrscheinlich noch besser Auto fahren als zwei Drittel aller Verkehrsteilnehmer.

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Manfred Bräuer (88), Reinbek, fährt einen Ford Fiesta: Jüngere Menschen machen die meisten Unfälle, das einmal vorweg. Ansonsten finde ich, jeder Mensch sollte selbst verantworten, ob er noch fahren kann. Ich selbst nutze das Auto nur zum Einkaufen in Reinbek oder mal zum Essen nach Aumühle. Von Fahrtests halte ich nichts.

Ein eigenes Auto bedeutet Freiheit, Mobilität und Selbstbestimmung. "In Aumühle leben sehr viele ältere Menschen, die ihr Leben lang sehr viel unterwegs gewesen sind, die ganze Welt bereist haben", weiß Jürgen Rodehorst, Leiter der Aumühler Polizeistation. Auch im hohen Alter möchten sie auf ihren Pkw nicht verzichten, fahren zum Einkaufen, zum Arzt oder in die Nachbargemeinden.

Das ist zwar bequem und selbstbestimmt, manchmal aber auch mit ganz schön viel Stress verbunden. "Es gibt mehr Autos auf der Straße als früher, der Verkehr ist schneller und komplexer geworden. Zudem wird die Technik in den Autos immer komplizierter, da muss man erst mal durchfinden", sagt Rodehorst. Kommen dann noch enge Parkplätze, Baustellen und Straßensperren hinzu, geraten nicht nur Fahranfänger ganz schön ins Schwitzen. Auch routinierten, langjährigen Autofahrern wird das oft einfach zu viel. Kratzer im Lack und eingedellte Stoßstangen zeugen davon, dass Autofahren nicht immer das reinste Vergnügen ist.

Manchmal klingelt bei der Polizei sogar das Telefon: "Können Sie mein Auto aus der Ausfahrt fahren, rückwärts ausparken, das klappt in meinem Alter nicht mehr so gut", sagt der Senior am anderen Ende der Leitung. Kommen zur eingeschränkten Beweglichkeit noch Sehschwäche und schlechtes Hören hinzu, ist Autofahren plötzlich nicht mehr nur anstrengender als in jungen Jahren, sondern auch gefährlicher.

Eine Problemgruppe stellen deswegen die Senioren im Straßenverkehr jedoch nicht dar, betont der Automobilclub ADAC. Im Gegenteil: "Senioren sind nicht so häufig an Unfällen mit Personenschäden beteiligt, wie andere Altersgruppen. Autofahrer über 65 Jahren sind derzeit lediglich an 10,5 Prozent aller Fälle Verursacher eines Unfalls mit Personenschaden. Bei einem Bevölkerungsanteil von 17,5 Prozent liegen sie damit weit unter dem Schnitt anderer Altersgruppen", sagt Carsten Willms, ADAC-Verkehrsexperte.

Wer dennoch das Gefühl hat, dass ihm Autofahren mit zunehmend Alter zu anstrengend wird, ist bei einer Informationsveranstaltung der Polizei Aumühle in Kooperation mit dem Haus Billtal der Wichern-Gemeinschaft in Wohltorf (Billtal 10) willkommen. Ein Verkehrsexperte wird in lockerer Atmosphäre am Montag, 17. August, 15 Uhr, über Alternativen zum Pkw sprechen. Ein Sanitätshaus bietet die Möglichkeit, Elektro-Mobile Probe zu fahren. Sie sind eine Möglichkeit, kurze Strecken bequem zurückzulegen.

Wer völlig unverbindlich seine Fahrtauglichkeit testen lassen möchte, kann dies, unverbindlich beim TÜV machen. Danach entscheidet jeder für sich, ob er weiter am Straßenverkehr teilnehmen möchte.

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