Familie & Beruf

Im Betreuungs-Notfall rufen Eltern die „Feuerwehr“

Ricardo Normann, Marketingleiter bei Michaelis, im Kinderbetreuungsraum der  Firma.

Foto: Anne Müller / BGZ

Ricardo Normann, Marketingleiter bei Michaelis, im Kinderbetreuungsraum der Firma.

Reinbek Drei Reinbeker Unternehmen und die Stadtverwaltung nutzen inzwischen den Service für ihre Mitarbeiter.

Reinbek..  Bei zwei kleinen Kindern und berufstätigen Eltern ist auch im Hause Normann der Tagesplan minutiös durchgetaktet. Wenn dann morgens die Nachricht kommt, „die Tagesmutter ist krank“ kann alles durcheinandergeraten. „Was mache ich jetzt?“, müssen sich Ricardo Normann und seine Frau zum Glück nicht mehr fragen. Denn das Problem hat der Arbeitgeber für die Familie gelöst. „Ein Anruf genügt, und die Notfallhilfe wird für uns professionell organisiert und kostet uns nichts“, sagt der Marketingleiter bei E. Michaelis & Co. in Reinbek. Für seinen Jüngsten Fabian (2) ist sogar schon einmal eine Betreuerin nach Hause in Bad Oldesloe gekommen.

Ziel Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Drei Reinbeker Unternehmen und auch die Stadtverwaltung nutzen den „Kinder-Betreuungsnotdienst“ inzwischen. Gegründet wurde er 2012 von der „Beruf und Familie Stormarn GmbH“. Als gemeinnützige Gesellschaft bietet sie ihren Kunden über Stormarn hinaus seit 2016 als „Beruf und Familie im Hansebelt“ Dienstleistungen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Seit 2012 hat es 570 Notfalleinsätze gegeben. Die Gesellschaft hat von Beginn eine Kooperation mit dem Oldesloer Verein Oase. Dieser wird für die Bereitschaft und die Einsätze seiner Betreuer bezahlt.

Michaelis richtet Kinderbetreuungsraum ein

Das werde auch bei Michaelis mehr und mehr angenommen, so Normann. Im Unternehmen selbst, das im Reinbeker Gewerbegebiet am Senefelder Ring sitzt, ist dafür inzwischen sogar ein Kinderraum eingerichtet worden. „Von den 250 Mitarbeitern nutzen etwa 15 Kollegen den Service immer mal wieder“, so Normann. Es habe sich herumgesprochen, dass das unkompliziert funktioniert und die Kinderbetreuer qualifiziert und vertrauenswürdig sind. Die Rahmenkonditionen werden von dem Unternehmen mit Beruf und Familie abgestimmt. Die Eltern melden ihre Kinder mit einem Formular an.

Auch Allergopharma setzt auf Unterstützung

Auch bei der Almirall Hermal GmbH und der benachbarten Allergopharma GmbH & Co. KG setzt die Personalleitung auf die professionelle Unterstützung. Allergopharma und Beruf & Familie im Hansebelt arbeiten seit 2013 zusammen. „In dieser Zeit haben fünf unserer Mitarbeiter das Angebot der Kindernotfallbetreuung in Anspruch genommen, die allesamt sehr zufrieden waren“, zieht Sprecherin Jessica Horn Bilanz. Das Angebot sei wie eine Art „Feuerversicherung“ für Arbeitgeber und -nehmer und nur für Ausnahmesituationen gedacht. „So können die Arbeitnehmer wichtige Jobtermine beruhigt einhalten“, beschreibt Horn die Vorteile für beide Seiten.

Stadtverwaltung verlängert Vertrag

Davon ist auch die Stadt als Arbeitgeber inzwischen überzeugt. Reinbek ist seit 2013 Mitglied. Für das laufende Haushaltsjahr wurde der Vertrag verlängert. Bei der Stadt sind 241 Personen beschäftigt. Die Zahl dient als Grundlage für die jährliche Kostenpauschale. Der Grundbetrag belief sich anfangs auf 2600 pro Jahr und hat sich auf 5200 Euro verdoppelt. Hintergrund: Damit die gemeinnützige Gesellschaft in die schwarzen Zahlen kommt, und nicht die 16 Gesellschafter finanziell einspringen müssen, wurde das Gebührensystem für die 45 Kunden Ende 2016 umgestellt.

Seitdem ist Patricia Siebel ehrenamtliche Geschäftsführerin. Sie ist bei der Edding AG in Ahrensburg für das Umwelt- und Qualitätsmanagement zuständig. Das Unternehmen ist Gesellschafter von Beruf und Familie. „Ich bin vom ersten Moment dabei“, sagt Siebel, die heute erwachsene Kinder hat und sich so etwas wie Beruf und Familie für den eigenen Alltag gewünscht hätte.