Deutsche Post

Falsche Briefe, leere Kästen und schlechter Service

Reinbeker Thomas Zieciak (57) hat entweder einen proppevollen Briefkasten oder einen leeren. Er beschwert sich über den schlechten Service der Deutschen Post

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Reinbeker Thomas Zieciak (57) hat entweder einen proppevollen Briefkasten oder einen leeren. Er beschwert sich über den schlechten Service der Deutschen Post

Reinbek. Thomas Zieciak hat seit vier Jahren Probleme mit dem Logistikriesen.

Reinbek..  Thomas Zieciak hat die Nase voll: Beschwerden brachten den 57-Jährigen nicht weiter und führen zu Frust und Ratlosigkeit. Denn entweder platzt sein Postkasten aus allen Fugen oder er fängt Staub. „Manchmal bekomme ich drei Tage, vier Tage lang keine Post“, sagt Zieciak. Das betrifft Briefe, Zeitungen und Prospekte – manches kommt auch überhaupt nicht an.

Dieser Ärger tritt nicht nur in der für die Post stressigen Weihnachtszeit ein. „Vor drei, vier Jahren hat sich das Problem peu à peu eingeschlichen. Anfangs bekamen wir montags keine Post mehr. Auch mit den anderen Wochentagen wurde es dann schlimmer“, klagt er.

Montags die geringste Menge Post unterwegs

Postsprecher Martin Grundler hält dagegen: „Montags ist schlicht und ergreifend die geringste Menge an Post unterwegs“, möglich, dass Thomas Zieciak deswegen an Montagen keine Post erhalte. „Werktags findet nämlich eine Zustellung statt. Das ist so“, versichert Grundler.

Während er auf Post häufig vergeblich wartet, landen zum Beispiel an seinen Onkel verschickte Briefe unerwartet als „unzustellbar“ wieder in Zieciaks Briefkasten. Auch falsche Post werde immer wieder bei ihm eingeworfen. „Vorletztes Jahr habe ich einen Brief vom Finanzamt mit meinem Steuerbescheid bekommen. Ich wollte ihn aufmachen und habe bemerkt, dass er schon offen war.“ Daraufhin schaute Zieciak auf den Poststempel: fünf Tage alt. „Ein Nachbar hat ihn wohl aufgemacht, bemerkt, dass es nicht seiner ist und bei mir eingeschmissen.“

Falsch zugestellte Post wieder in den Postkasten

Sogar in den Straßen vertun sich die Zusteller. „Wenn es wichtige Post ist, dann geht das einfach nicht“, ärgert er sich. „Das sollte so nicht sein“, sagt auch Pressesprecher Grundler. Er rät, falsch zugestellte Post wieder in den Postkasten einzuwerfen.

Mittlerweile hat Zieciak nur noch wenig Vertrauen zur Deutschen Post. Das liegt auch am Service. Der habe sich in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent verschlechtert. Als seine eigene Post von der falschen Zustellung betroffen war, rief er vor zwei Jahren bei dem Logistikunternehmen an und erzählte der Dame am anderen Ende von seinem Unmut. Die habe zwar seine Beschwerde aufgenommen, geändert habe sich jedoch nichts. „Jetzt läuft bei der Hotline nur noch ein Band. Man hat keinen Ansprechpartner mehr“, stört sich der Reinbeker. Und diese Hotline leite ihn nicht nur endlos weiter, sondern werfe ihn auch regelmäßig aus der Leitung. „Irgendwann gibt man auf“, sagt er. Wenn er dann bis zur Beschwerde durchkommt, ist sein Anliegen nicht unter den Wahlmöglichkeiten enthalten. „Ich bin machtlos. Ich weiß nicht mehr ein und aus“, sagt er.

Auch Prospekte kommen nur sporadisch an

Als er bei der Deutschen Post nichts erreichte, versuchte er sein Glück auf Umwegen. Denn nicht nur die Briefpost bereitet ihm Sorgen. Auch Prospekte kommen bei Zieciak nur sporadisch und manchmal gar nicht an. Da er und seine Frau regelmäßig nach Angeboten schauen, ärgert ihn das besonders. „Den einzelnen Supermärkten wird dadurch auch ein erheblicher Schaden zugefügt“, weiß er. „Ich bin total gefrustet und sauer. Im Supermarkt habe ich es angesprochen. Bei Netto habe ich einen Beschwerdebogen bekommen“, sagt er. Den hat er zum Verteilerdienst nach Hodenhagen geschickt. Dort werden die Prospekte vorbereitet.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es zu Verzögerungen in der Zustellung kommt“, sagt Grundler vom Logistikunternehmen. Die Laufzeiten für Werbesendungen seien anders als die der Briefpost. Große Hoffnungen auf Besserung macht Zieciak sich nicht – und wünscht sich, die Zeit zurückdrehen zu können.

Die Austräger wechseln im Monatstakt

Vor ungefähr vier Jahren teilte bei Zieciak nämlich noch ein Postbeamter täglich Briefe und Pakete aus. Die Probleme von heute kannte er da noch nicht. Nun wechseln die Austräger im Monatstakt. „Heute sind Postfahrer so anonym geworden. Wenn man sie anspricht: „Ich habe falsche Post bekommen“, dann sagen sie: „Das war ich nicht, das war ein anderer Bote.“ Der Postbote seines Vertrauens wusste damals schon: Die Angestellten haben es nicht leicht. „Die jungen Leute werden richtig drangsaliert bei der Post“, habe er Zieciak damals erzählt. Das bestätigen ihm auch heute DHL-Fahrer: „Von einem weiß ich, dass er jeden Abend bis 18 Uhr Post austrägt. Er macht Überstunden, damit er seine Touren schafft, die sehr zeitintensiv sind“, sagt er. „Ich denke die Mitarbeiter sind total überfordert und nicht bei der Sache. Da passieren Fehler. Das ist aber eine menschliche Sache.“ Den Boten nimmt er es nicht übel.

Das Problem sieht er bei der Deutschen Post und den Arbeitsbedingungen. Der Pressesprecher hält dagegen, dass es in den vergangenen Jahren Veränderungen in den Arbeitsabläufen der Zusteller gegeben habe. Routen seien so strukturiert worden, dass sie in die Arbeitszeiten der Boten passen, so Grundler „Es kann aber saisonbedingt zu mehr Postzustellungen kommen. Dann steigt die Belastung.“

Einen telefonischen Beschwerdeservice hat die Deutsche Post unter Telefon (02 28) 43 33 112 hinterlegt.