Bjarne Mädel Der Tatortreiniger führt durch das Reinbeker Schloss

Bjarne Mädel ist die Stimme auf den neuen Audio-Guides für das Reinbeker Schloss.

Foto: Anne Müller / BGZ

Bjarne Mädel ist die Stimme auf den neuen Audio-Guides für das Reinbeker Schloss.

Reinbek. Spezialauftrag für Tatortreiniger Bjarne Mädel. Im Auftrag der „Freunde des Schlosses“ besprach er die neuen Audioguides.

Reinbek.  Als „Reinbeker Jung“ war es für Bjarne Mädel Ehrensache. Und so führte den 47-Jährigen ein Spezialauftrag zurück in die Heimatstadt. In Kindertagen ist er häufig am Schloss vorbeigefahren, jetzt gibt er dem Renaissancebau seine Stimme. Deutschlands beliebtester Tatortreiniger hat die neuen Audioguides besprochen, die ab heute für Besucher im Einsatz sind.

„Hier ging richtig was ab“

45 Minuten führt der Rundgang von der Hofstube bis zum Krummspanner – „ganz seriös“, sagt Bjarne Mädel. Obwohl „Schotti“ vielleicht auch in der Vergangenheit des 1572 erbauten Repräsentationsbaus als „Schrubber“ zum Einsatz gekommen wäre. „Denn hier ging richtig was ab“, sagt er mit seinem bekannten trocknen, norddeutschen Humor, den seine Fans aus seinen Rollen kennen. Beim Lesen der eingespielten Texte hat ihn begeistert, dass hier einst richtig gefeiert wurde: „Nach einigen Gelagen mussten sogar die Wandteppiche gereinigt werden, drei Ochsen und Dutzende gebratene Hühner wurden in den Sälen verspeist.“

Als Kind häufig am Schloss vorbeigekommen

Am Schloss ist er als Kind und Jugendlicher nur vorbeigekommen, gesteht der ehemalige Sachsenwaldschüler. In seiner Freizeit spielte er lieber im Garten des Elternhauses an der Kückallee oder tobte sich auf den TSV-Sportplätzen aus, wo er von einer Fußballkarriere träumte. Als Mittelfeldspieler hat es der Schauspieler damals zusammen mit den anderen Jungs bis zu den Hamburger Meisterschaften gebracht.

Zu einigen Schulfreunden pflegt er auch heute noch Kontakt, was Prof. Wittko Francke auf die Idee brachte, den prominenten Reinbeker für das neuste Projekt des Vereins der Schlossfreunde zu begeistern. „Mein Sohn ist mit ihm befreundet und da habe ich gedacht, dass ich es versuche.“

Zugunsten des Juz auf Honorar verzichtet

Mit Erfolg: Mädel, der gestern ganz locker mit Rucksack und Wollmütze nach einem Zahnarzttermin in die Pressekonferenz im Hofsaal kam, zierte sich nicht, seinen Namen für das Projekt zu geben. Trotz vollem Terminkalender schaute er im Schloss vorbei und obwohl er schon auf dem Sprung in die USA ist: „Mein Vater lebt in Amerika und wird 75. Da muss ich unbedingt aufschlagen“, verriet Mädel, der heute in Berlin lebt.

Helmut Busch, Vorsitzender des Vereins der Schlossfreunde, hatte gar nicht damit gerechnet, dass Mädel sich persönlich die Zeit nahm, zur Übergabe der Spende vorbeizuschauen. 22 000 Euro flossen in das neuste Projekt des Fördervereins, der es sich zum Ziel gesetzt hat, auch das kulturelle Leben im historischen Gemäuer zu bereichern.

App und englische Version in Planung

Dafür hat der Verein auch für das Medien-Projekt Mitstreiter gewonnen: 28 Firmen der Region spendeten insgesamt 9500 Euro. Die Hamburger Sparkasse ermöglichte mit 10 000 Euro als Hauptsponsor die Anschaffung, für die jetzt auch eine englische Version und eine App geplant sind. „Bis zum Frühjahr sollen alle zur Verfügung stehen“, hofft Busch. Auch eine Kinderversion soll später noch realisiert werden.

43 000 Besucher zählte das Schloss 2015, 500 haben an den Führungen teilgenommen, die vom Kulturzentrum ab 15 Personen angeboten werden. Mit den Guides können Gäste jetzt auch einzeln das Schloss erkunden. Produziert hat die Hörführungen die auf Medien-Konzepte spezialisierte Firma Linon. Fünf Euro kosten Eintritt und Führung mit einem der 15 Audioguides.

Für das Einsprechen verzichtete Mädel auf sein Honorar. Das kommt jetzt, auf 1000 Euro von den Schlossfreunden aufgerundet, dem Jugendzentrum (Juz) am Schloss zugute.

Mädel freut sich übrigens schon auf einen weiteren Besuch in Norddeutschland: Am 21. Februar gastiert er in dem Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ (von der Tatortreinigerautorin Ingrid Lausund) auf der Bühne des Schauspielhauses in Hamburg.