Tarifstreit
"Im Krankenhaus brodelt es"
Donnerstag, 5. März 2009 21:25
- Von Anne Müller
Reinbek. Schwester Bibiane Braun ist eine gestandene Krankenschwester auf der Intensivstation. Praktische blonde Kurzhaarfrisur, ein gewinnendes offenes Lachen, warme braune Augen hinter der sachlichen schmalen Brille. Die 45-Jährige vermittelt Zuversicht, wirkt vertrauenserweckend.

Foto: Anne Müller
Bibiana Braun ist seit vielen Jahren Krankenschwester im St. Adolf-Stift, Reinbek.
Und das möchte sie auch jeden Tag für ihre Patienten ausstrahlen. Doch das wird auch jeden Tag schwerer. Aus einem Hamburger Krankenhaus ist sie nach Reinbek gekommen, weil sie die Zustände im Pflegebereich dort nicht mehr mit ihrem Berufsethos verantworten konnte. Aber auch das St. Adolf-Stift ist keine Insel in einem Gesundheitssystem, das immer weniger Zeit für die Versorgung der Patienten einräumt. Wenn sie flexibler sei, würde sie bei dem einen oder anderen Angebot schon in Versuchung kommen, räumt die Mutter dreier Kinder ein. In Skandinavien, England und der Schweiz genießen Krankenschwestern- und Pfleger ein ganz anderes Ansehen und verdienen auch besser. Dafür, dass die 600 Beschäftigten im Reinbeker Krankenhaus am Monatsende mehr Geld für ihre verantwortungsvolle Arbeit bekommen, setzt sich Andreas Hein ein. Und das ist zurzeit ein ebenso schwerer Job.
Bergedorfer Zeitung Online
Während die fünf übrigen Regionalkommissionen sich bundesweit bereits auf 7,9 Prozent geeinigt haben, mauerten die katholischen Arbeitgeber im Nordost-Block. Etwa 35.000 Beschäftigte müssen deshalb hier auf Lohnerhöhungen warten, sagt Hein, der hofft, dass schnell ein Kompromiss gefunden wird. Wenn das nicht passiert, wäre der Bischof die letzte Instanz eines möglichen Vermittlungsverfahrens.
Der Abschluss werde dringend gebraucht, die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt um Fachkräfte sei groß, sagt Hein. Und selbst wenn der Tarifabschluss käme, liegt der durchschnittliche Verdienst einer Schwester nicht im Spitzenlohnbereich.
Eine ledige Krankenschwester verdient nach mehr als zehn Berufsjahren etwa 2229 Euro, ca. 1500 netto. Sie muss, anders als ihre Kolleginnen in den südlichen Bundesländern, auf eine Tariferhöhung warten. Bis auf Hamburg, Schleswig-Holstein und die Region Ost haben sich die katholischen Arbeitgeber auf eine Regelvergütung geeinigt, die seit 1. Januar in einer ersten Anhebung 2315 Euro und ab 1.1.2009 dann 2415 Euro Brutto betragen soll.

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