Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/reinbek/article18858/Im_Krankenhaus_brodelt_es.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

"Im Krankenhaus brodelt es"

Reinbek. Schwester Bibiane Braun ist eine gestandene Krankenschwester auf der Intensivstation. Praktische blonde Kurzhaarfrisur, ein gewinnendes offenes Lachen, warme braune Augen hinter der sachlichen schmalen Brille. Die 45-Jährige vermittelt Zuversicht, wirkt vertrauenserweckend.
Bibiana Braun ist seit vielen Jahren Krankenschwester im St. Adolf-Stift, Reinbek.
Foto: Anne Müller
Bibiana Braun ist seit vielen Jahren Krankenschwester im St. Adolf-Stift, Reinbek.
Und das möchte sie auch jeden Tag für ihre Patienten ausstrahlen. Doch das wird auch jeden Tag schwerer. Aus einem Hamburger Krankenhaus ist sie nach Reinbek gekommen, weil sie die Zustände im Pflegebereich dort nicht mehr mit ihrem Berufsethos verantworten konnte. Aber auch das St. Adolf-Stift ist keine Insel in einem Gesundheitssystem, das immer weniger Zeit für die Versorgung der Patienten einräumt. Wenn sie flexibler sei, würde sie bei dem einen oder anderen Angebot schon in Versuchung kommen, räumt die Mutter dreier Kinder ein. In Skandinavien, England und der Schweiz genießen Krankenschwestern- und Pfleger ein ganz anderes Ansehen und verdienen auch besser. Dafür, dass die 600 Beschäftigten im Reinbeker Krankenhaus am Monatsende mehr Geld für ihre verantwortungsvolle Arbeit bekommen, setzt sich Andreas Hein ein. Und das ist zurzeit ein ebenso schwerer Job.
"In unserem Krankenhaus brodelt es" , sagt der Arbeitnehmervertreter. Seit fünf Jahren hat es für die 600 Mitarbeiter keine Gehaltserhöhung gegeben. Und seit Monaten stocken die aktuellen Verhandlungen. Dagegen steigen Arbeitsdruck und Patientenzahlen. Hein hat es mit einem Arbeitskampf zu tun, der bis zum Bischof als Schlichter führen könnte. Ihm gegenüber sitzen katholische Arbeitgebervertreter unter dem Dach der Caritas. Das Mittel des Streiks bleibt den Mitarbeitern verwehrt, um ihre Forderungen von 7,9 Prozent durchzusetzen. Die Verhandlungen laufen nach dem Einigungszwang ab, wie bei der Papstwahl, aber ohne Rauch. Organisiert sind beide Parteien in Regionalkommissionen, in denen mehrere Bistümer vertreten sind. Hamburg hängt mit am Tropf der Bistümer in den neuen Bundesländern.
Während die fünf übrigen Regionalkommissionen sich bundesweit bereits auf 7,9 Prozent geeinigt haben, mauerten die katholischen Arbeitgeber im Nordost-Block. Etwa 35.000 Beschäftigte müssen deshalb hier auf Lohnerhöhungen warten, sagt Hein, der hofft, dass schnell ein Kompromiss gefunden wird. Wenn das nicht passiert, wäre der Bischof die letzte Instanz eines möglichen Vermittlungsverfahrens.
Der Abschluss werde dringend gebraucht, die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt um Fachkräfte sei groß, sagt Hein. Und selbst wenn der Tarifabschluss käme, liegt der durchschnittliche Verdienst einer Schwester nicht im Spitzenlohnbereich.
Eine ledige Krankenschwester verdient nach mehr als zehn Berufsjahren etwa 2229 Euro, ca. 1500 netto. Sie muss, anders als ihre Kolleginnen in den südlichen Bundesländern, auf eine Tariferhöhung warten. Bis auf Hamburg, Schleswig-Holstein und die Region Ost haben sich die katholischen Arbeitgeber auf eine Regelvergütung geeinigt, die seit 1. Januar in einer ersten Anhebung 2315 Euro und ab 1.1.2009 dann 2415 Euro Brutto betragen soll.

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008