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Das Amtsgericht bremst "Emma Drängler" aus

Reinbek. Theater beim Tag der offenen Tür am Amtsgericht. Staatsanwälte, Richter, aber auch andere Mitarbeiter des Amtsgerichtes waren in verschiedene Rollen geschlüpft, um Interessierten einen möglichst realistischen Gerichtsprozess zu präsentieren. Zusätzlich informierten gestern die Polizei, die Schuldnerberatung, der Anwaltsverein und Opferschützer über ihre Arbeit und Angebote.
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Anwältin Lydia Kämpfe (li.) verteidigt „Emma Drängler“ (Sarah Kümmel). Die 22-Jährige hatte einen Mofafahrer ausgebremst und mit Reizgas verletzt. Zum Glück war alles nur gespielt.
Foto: Holz
Anwältin Lydia Kämpfe (li.) verteidigt „Emma Drängler“ (Sarah Kümmel). Die 22-Jährige hatte einen Mofafahrer ausgebremst und mit Reizgas verletzt. Zum Glück war alles nur gespielt.
Damit hatte Emma Drängler wohl nicht gerechnet. Ihr flotter Mini Cooper wird die nächsten acht Monate in der Garage stehen bleiben, ihr Führerschein ist exakt so lange einkassiert. Zudem muss sie 40 Tagessätze zu je 40 Euro bezahlen. Das tut weh, zumal die 22-jährige Barfrau nicht mehr als 1200 netto mit ihren Thekeneinsätzen monatlich verdient. Weder die Staatsanwältin noch die Richterin wollten gestern im Amtsgericht Reinbek glauben, dass Emma Drängler den Mofafahrer Peter Klein aus Notwehr auf der Hamburger Straße ausgebremst und ihm an der nächsten Ampel Reizgas in die Augen gesprüht hat.
Da nützte selbst das schauspielerische Talent von Emma Drängler nichts, die gekonnt von Sarah Kümmel in Szene gesetzt worden war. Denn die gesamte Gerichtsverhandlung in Saal 107 war nichts als Theater. Echte Staatsanwälte, Richter, aber auch andere Mitarbeiter des Amtsgerichtes waren in verschiedene Rollen geschlüpft, um den Besuchern beim „Tag der offenen Tür“ – organisiert von der stellvertretenden Amtsgerichtsdirektorin Heike Meistering – einen möglichst realistischen Gerichtsprozess zu präsentieren. Und selbst die zahlreich erschienenen Zuschauer mussten mitspielen. Als „Im Namen des Volkes“ das Urteil vorgelesen wurde, standen alle – wie im echten Leben – auf. Am Ende gab es, anders als sonst in den Gerichtssälen, allerdings Applaus. „Wir wollen hier nicht Barbara Salesch nachspielen, wir wollen zeigen, wie es wirklich im Gericht zugeht“, sagte Richterin Ute Schulze-Hillert.
Zahlreiche Besucher nutzten gestern die Gelegenheit, um hinter die Kulissen des Gebäudes zu schauen, dass die meisten nur von außen kennen. „Viele Bürger denken, dass hier nur Menschen verklagt werden“, sagte Dr. Ole Krönert, Präsident des Landgerichts Lübeck, bei der Begrüßung. Er freue sich, dass das Amtsgericht Reinbek mit seiner öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung beweise, dass es sehr viel mehr leiste als das. Das Grundbuchamt, Erbfälle oder das Betreuungsrecht – all das gehöre dazu. Zusätzlich präsentierten sich gestern die Polizei, der Weiße Ring, die Schuldnerberatung Sönke-Nissen-Park-Stiftung, der Anwaltsverein und der Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ sowie der Betreuungsverein Stormarn.
Die niedrige Hemmschwelle ermunterte viele Besucher auch ungewöhnliche Fragen zu stellen. Ob man als Internet-Nutzer automatisch Mitglied des Netzwerkes facebook sei, wollte beispielsweise ein älterer Herr wissen. Polizeihauptmeisterin Beate Schlemminger und Kriminalkommissarin Imke Pahl konnten ihn an ihrem Infostand beruhigen. „Wir haben ihm gesagt, dass man sich dort anmelden muss. Da war er beruhigt“, sagte Schlemminger.
Für das Thema Betreuung interessierte sich das Ehepaar Christel und Hartmut Didschuns, das seine ganz eigenen privaten Erinnerungen an das Amtsgericht mitbrachte. „Früher war das Amtsgericht ein Kinderheim. Mit den Jungs, die hier lebten, habe ich Fußball gespielt. Meine Cousine wurde hier geboren, als das Gericht noch ein Krankenhaus war“, erinnert sich der 72-Jährige.
Auch heute kann das Amtsgericht noch Geschichten erzählen. „Dort, wo die Prozesse abgehalten werden, roch es vor wenigen Tagen noch nach Glühwein. Wir feiern hier immer Weihnachten“, plauderte Amtsgerichtsdirektor Bernd Wrobel in seiner Begrüßungsrede aus dem Nähkästchen.
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