Umstieg
Pastor leistet Erste Hilfe für die Seele
Freitag, 20. Januar 2012 17:49
- Von Stephanie Rutke
Aumühle. Zum ersten Februar übernimmt Pastor Dirk Süssenbach die lange vakante Stelle des Beauftragten für Notfall- und Feuerwehrseelsorge. Zum Großteil sind seine Einsätze im häuslichen Bereich, aber auch im Umfeld größerer Notfälle betreut der aktive Feuerwehrmann Opfer und Helfer. Bei der Arbeit hilft ihm sein Glaube.

Foto: Rutke
Pastor Dirk Süssenbach ist gut ausgerüstet. Im Kreis Lauenburg ist jeder Pastor zweimal jährlich für eine Woche in Einsatzbereitschaft.
Schwere Unfälle wie das Zugunglück in Eschede im Jahr 1998, bei dem 101 Menschen ums Leben kamen, haben das Bewusstsein für den Umgang mit Extremsituationen geschärft. Um sowohl den Einsatzkräften, aber auch den Opfern und Ersthelfern Erste Hilfe für die Seele leisten zu können, wurde die Psycho-Soziale Notfallversorgung (PSNV) unter dem gemeinsamen Dach von evangelischer Kirche und Feuerwehr ins Leben gerufen. Für Schleswig-Holstein wird jetzt Aumühles Pastor Dirk Süssenbach als Leiter der Notfallseelsorge landesweit dieses Helfersystem ausbauen. „Dieses Aufgabenfeld ist aus dem Ehrenamt heraus entstanden“, erklärt er. Landesweit gebe es bereits Helfersysteme, diese müssten aber vernetzt und professionalisiert werden.
Süssenbach erhielt im Sommer die Anfrage von der Nordelbischen Landeskirche, ob er sich vorstellen könne, die vakante Stelle des Beauftragten für Notfall- und Feuerwehrseelsorge in Schleswig-Holstein zu übernehmen. Für ihn kam das Angebot in einer Situation, in der die Pastorenstelle in Aumühle als volle Stelle nicht mehr sicher war. Bereits vor anderthalb Jahren wurde seitens des Kirchenkreises angedeutet, dass die Stelle auf eine Dreiviertelstelle reduziert werden soll.
Parallel erhielt Süssenbach die Auskunft, dass die neue Notfallseelsorgerstelle von einer viertel auf eine halbe Stelle ausgebaut wird. „Ich habe mich über das Angebot gefreut“, so der 42-jährige, „hätte mich aber nicht weiter darum gekümmert, wenn meine Stelle in Aumühle aufgrund der geplanten Reduzierung nicht unsicher gewesen wäre.“ Und weil sein Profil genau auf die Stelle passt, übernimmt Dirk Süssenbach jetzt zum 1. Februar seine neue Tätigkeit.
Zu seinen Aufgaben gehört die Beratung beim Aufbau der Notfallseelsorge in den Kirchenkreisen. „Außerdem bin ich verantwortlich für die Ausbildung zum Notfallseelsorger“, erklärt Süssenbach. Als aktiver Feuerwehrmann kennt er sich mit den Rettungsdienst-Strukturen gut aus. Genauso wichtig wie die Hilfe vor Ort sind die Einsatz-Nachsorge und die Supervision für die Notfallseelsorger. Arbeiten wird Süssenbach von Aumühle aus, finanziert wird die Stelle aus Kirchensteuermitteln.
Rund eine Million Menschen werden jedes Jahr auf unterschiedliche Art von einem Notfall berührt. Der größte Teil der Einsätze für Pastoren, 75 Prozent, sind häusliche, der plötzliche Tod eines Angehörigen oder das Überbringen einer Todesnachricht. Rund ein Viertel der Einsätze sind große Notfälle. Hier gehört die Betreuung von Opfern und Helfern zu den Aufgaben. Neben seiner Fachausbildung ist es vor allem der Glaube, der Süssenbach hier helfe.
Die Alarmierung der Notfallseelsorger erfolgt mit einem Pieper. „Im Kreis Lauenburg ist jeder Pastor zweimal jährlich für je eine Woche in Einsatzbereitschaft“, sagt Süssenbach. Ähnlich wie im Urlaubs- oder Krankheitsfall muss er dann dafür sorgen, dass Kollegen Trauungen oder Beerdigungen übernehmen. So ist gewährleistet, dass der Notfallseelsorger einsatzbereit ist. Nach der Erstversorgung sorgt er dafür, dass die Betroffenen an das nächste Helfersystem übergeben werden, denn Einsatzkräfte und Ärzte haben in der Regel nicht die Zeit, sich länger um die Betroffenen zu kümmern.
Im Büro von Pastor Dirk Süssenbach hängt stets die Feuerwehrjacke einsatzbereit an der Garderobe, der Helm liegt daneben. In einer Ecke steht ein roter Rucksack – sein Einsatzrucksack für Notfälle. Neben der Leuchtweste, die ihn als Seelsorger ausweist, enthält der Rucksack alles, was er vor Ort benötig. So soll betroffenen Kindern ein Plüschbär Trost spenden, der genau wie Dirk Süssenbach eine Leuchtweste trägt.
Artikelkommentare abonnieren
Kommentar abgeben
Noch kein Kommentar abgegeben

Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche












