Verein
Eklat im fürstlichen Bismarckbund
Donnerstag, 22. Dezember 2011 18:28
- Von Anne Müller und Susanne Holz
Aumühle. Konstruktiv, konservativ und kritisch stuft sich der Bismarckbund ein, der derzeit knapp 400 Mitglieder zählt. „Hier wird denunziert, verhört, intrigiert und gemauschelt", beschreibt dagegen ein aufgebrachtes Mitglied.

Foto: vintage.de
An Fürst Otto von Bismarck (1815 – 1898) sollen nach den Zielen des Vereins nicht nur Büsten erinnern. Der Bismarckbund möchte die politischen Ideen des Staatsmannes in die Moderne übertragen.
Vor einem Jahr tobte der Streit um das Erbe im Sachsenwald. Es ist nur wenige
Wochen her, dass Gäste einer Bismarckschen Jagdgesellschaft Hotelzimmer in
Reinbek zerlegten – preußische Tugenden im Sachsenwald, dem Stammsitz der
Familie von Bismarck, scheinen zu bröckeln. Dabei gibt es einen Verein mit
Sitz in Friedrichsruh, der es sich auf seine Fahnen geschrieben hat, das
Erbe des alten Kanzlers und das deutsche Geschichtsbewusstsein zu wahren.
Konstruktiv, konservativ und kritisch stuft sich der Bismarckbund ein, der
derzeit knapp 400 Mitglieder zählt. „Hier wird denunziert, verhört,
intrigiert und gemauschelt“, beschreibt dagegen ein aufgebrachtes Mitglied
(der Name ist der Redaktion bekannt) das Klima gegenüber unserer Zeitung.
Während Fürst Otto von Bismarck im Mausoleum ruht, kam es wenige Meter weiter
im Forsthaus Friedrichsruh bei einer Mitgliederversammlung zu tumultartigen
Szenen. Einem Mitglied wurde zuvor per Einschreiben mit fürstlicher
Unterschrift Hausverbot für Schloss und Mausoleum erteilt. Am Tag selbst
wurde die Polizei gerufen, um ein anderes Mitglied des Saales zu verweisen.
Der Betroffene vermutet, dass es an seinen kritischen Anmerkungen zur
Personalpolitik des Bismarckbundes gelegen haben könnte und ging freiwillig,
ohne dass die Polizei eingreifen musste.
Diese ganze Aufregung war zu viel für einen älteren Teilnehmer. Er brach
zusammen, musste vom Notarzt behandelt werden. Kurz darauf verstarb der
Mann. Früher gab es immer nur vor dem Versammlungssaal Tumulte, weil
Demonstranten aus der linken Szene den aus ihrer Sicht rechtslastigen Verein
bei seinen national-konservativen Zeremonien ausbuhten.
Zum Streit war es jetzt nach Schilderungen mehrerer Mitglieder gekommen, weil
sie die finanzielle Basis des Bismarckbundes hinterfragten. Seit Jahren
leistet sich dieser eine hauptamtliche Geschäftsführung, deren Gehalt im
Wesentlichen durch einen Mäzen finanziert worden war. Der jedoch verstarb in
diesem Jahr, ein nächster finanzkräftiger Unterstützer ist nicht in Sicht.
Allein aus den Mitgliedsbeiträgen lässt sich der Verwaltungsapparat jedoch
nicht bezahlen. „Wozu brauchen wir eine Geschäftsführung, die nichts weiter
organisiert als eine einzige Veranstaltung im Jahr, bei der Mitgliedern im
Schloss Orden um den Hals gehängt werden“, erzürnt sich ein Mitglied
gegenüber unserer Zeitung.
Es geht davon aus, dass das die letzten Zuckungen eines Vereins sind, der
seine Ziele – die Lebensleistung Otto von Bismarcks zur würdigen – nur noch
auf dem Papier stehen habe. Im Grunde stehe der Bismarckbund kurz vor der
Insolvenz, fürchten sie.
Ein weiterer Kritikpunkt: Der Bismarckbund rücke politisch immer weiter nach
rechts. In den Vorstand wurde beispielsweise Dr. Andreas Graudin gewählt,
der im Landesvorstand der rechtslastigen Bürgerbewegung von „pro Berlin“
aktiv ist. „Diese Entwicklung ist definitiv nicht in unserem Sinne“, heißt
es aus den Reihen der Mitglieder. Die kritischen Nachfragen zur
Personalpolitik seien jedoch nicht erwünscht gewesen. Möglicherweise ein
Grund, warum es zu den Ausschlüssen aus dem Bismarckbund gekommen sei, sagen
sie.
Gegen den Ausschluss gehen einige Mitglieder nun vor Gericht. Sich mundtot
machen zu lassen, wollen sie sich nicht gefallen lassen. Auch das
Registergericht soll dem Verein in die Akten schauen, denn die letzte
Eintragung ist aus dem Jahr 2008. Damals war der verstorbene Publizist Uwe
Greve erster Vorsitzender des Vereins.
Ein langjähriges Vorstandsmitglied weist die Vorwürfe von sich: „Bei den
Anschuldigungen handelt es sich um einen kleinen Personenkreis von zehn
Personen, die sich offensichtlich auf einen persönlichen Vernichtungsfeldzug
gegen den Verein begeben haben.“ Begonnen hätten die Querelen bereits im
vergangenen Jahr und fanden ihren bisherigen Höhepunkt in dem Ausschluss
zweier Mitglieder, gegen die auch ein Hausverbot seitens des Schirmherrn
Fürst von Bismarck ausgesprochen wurde. Sollte es sich herausstellen, dass
eine Geschäftsstelle in bisheriger Form nicht finanzierbar ist, werde
gehandelt werden, so das Vorstandsmitglied. Wie auf der Versammlung
mehrheitlich besprochen, werde darüber in einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung Ende März befunden.
„Zu den Tumulten kam es, da eines der ausgeschlossenen Mitglieder sich
vehement weigerte, die Versammlung zu verlassen, sodass die Polizei gerufen
werden musste“, sagt das Vorstandsmitglied. Diese Aufregung sei schließlich
auslösend für den Zusammenbruch eines verdienten Mitglieds des Bundes
gewesen, das bis zuletzt für den Verein gewirkt habe. Ein braunes Image
könne man dem Verein nicht nachsagen: „Die Mitglieder pflegen einen gesunden
Patriotismus.“ Das gelte auch für den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden
Dr. Andreas Graudin.
Selbst wenn sie juristisch Recht bekommen – einen Verbleibt im Bismarckbund
halten die verprellten Mitglieder für ausgeschlossen. Denn mit einem Verein,
der sich ein historisches Erbe auf die Fahnen geschrieben habe, habe dies
schon lange nichts mehr zu tun, sagen sie. „Im Grunde geht es nur noch um
Geld und Macht und nicht mehr um die Idee von Bismarck“, sagt ein
enttäuschtes Mitglied.

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Günter Mehrens meint:
mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel vom 22.12.2011 soeben gelesen. Dazu habe ich einige Berichtigungen vorzunehmen: Zunächst ein paar Worte zum Vorstand: der Bismarckbund e.V. hat seit zwei Jahren keinen ordentlichen Vorstand, der Vorstand wird von der seit 12 Jahren Geschäftsführerin nach ihrem Gutdünken besetzt. Inzwischen hat sie einen Verstand eingesetzt, der wirklich nichts mehr mit einem ordentlichen Vorstand gemein hat. es handelt sich immer um Leute, die den Verein nicht kennen und ihr einfach glauben. Grund heirfür ist ganz einfach die Tatsache, dass die Geschäftsführerin sich weigert, die Grundlagen ihres Arbeitsverhältnisses offen zu legen. Darüber hinaus hat sie in den vergangenen 5 Jahren seit Uwe Greves Tod am 24.12.2005, den Verein nach ihren Maßstäben geführt und dabei die Grundlagen des Vereins vergessen.
Die Pflichtverletzungen der Geschäftsführerin sind inzwischen so gravierend, dass eine fristlose Kündigung bzw. eine Amtsenthebung jederzeit gerechtfertigt ist. Wenn eine solche Massnahme ansteht , beruft sie sich auf die guten Beziehungen zum Schirmherrn, dies mit der Folge, das keiner es wagt, ihre Position anzutasten. Damit ist aber jetzt Schluss, Die Art und Weise der Geschäftsführung bedarf der gerichtlicchen Klärung und zwar noch in diesem Frühjahr. Das wird auf Schadensersatz wg. ungerechtfertigter Bereicherung hinauslaufen. Der Ausschluss der beiden Mitglieder erfolgte zu Unrecht und wird ebenfalls böse Folgen haben, sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich. Das von Ihnen genannte Vorstandsmitglied aus Berlin, dessen Namen ich nicht mehr schreiben möchte, ist zu keiner Zeit ordentliches Mitglied des Vorstandes geworden, darüber hat er sich mit 3 Stimmen in den Vorstand des Ordens wählen lassen. auch diese Wahl ist nichtg. Die Geschäftsleitung bedient sich seit Jahren immer wieder "neuer Freunde", die ihr Verhalten nicht kennen, nämlich, für das eigene Auskommen zu sorgen und das bis zur Rente. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich denke, dass wir schon in Kürze einen gerichtlichen Beschluss haben werden.
Mit der Veröffentlichung weiterer Artikel bitte ich noch zu warten, da wir erst eine erste Reagtion von den Gerichten abwarten wollen. Vielen Dank.
Sie können mich auch anrufen: 04451 / 3845
bzleser meint:
Wahrscheinlich wollte der Herr ebenfalls das Jahresheft des Bismarckbundes betreuen....
VRIL meint:
wie wär` s wenn SIE bitte mal die Nennung von Namen unterlassen ? Danke . Man kann sch doch mal ganz vernünftig anonym über bestimmte Themen unterhalten - Ziele der deutschen Konservativen - Möglichkeiten ; Perspektiven ( gerne ein geopolitischer Bezug ) - wie halten es die Atlantiker mit den Russen / BRIC + Persien - soviele Themen und nix kommt rüber .
Nabelschau bringt uns nicht weiter . Entwickeln wir doch eine extrem spannende Binnenpluralität - der Kampf um die besten Ideen . brd & IM Erica haben keine Perspektive . Und die Sache im Nahen Osten fällt den yankees eh`auf die Füße .
"Alles für Deutschland" ist ein Ausschlusskriterium ? aha - wo denn ? bei der cdu Harburg ? also wirklich .
Und lassen wir doch das herumgegoogle nach . Mehr Diskur - mehr Wettbewerb - mehr Polemik und mehr Debatte - es geht um die Frage : wie interessiert man junge Leute für unsere Politik - nein es ist eben kein monolithischer Block - kein Jasagerverein - die Leute wollen keine Brechreizkultur sondern ein intelligentes Forum für Querdenker .
Opposition UND Subversion gibt`s nur bei uns sagt der Kubi-check - und DER musses ja nun wissen .Richtig ist : Jugend will Opposition - und wahre Opposition + Provokation gibt es nur bei der qualifizierten Rechten .