Kunstausstellung
Diese Bilder haben dem Bürgermeister gestunken
Mittwoch, 14. Dezember 2011 20:10
Reinbek. Es waren kein Blut und keine Geschlechtsteile zu sehen und auch sonst nichts, was das Auge des Betrachters als obszön empfinden könnte. Dennoch musste der Hamburger Künstler Werner Schöffel seine Kunstwerke im Reinbeker Rathaus wieder abhängen - weil sie stanken.

Foto: privat
Skulpturen, Bilder und Malerei – mit diesem Dreiklang wollten die Künstler Besucher erfreuen. Jetzt musste Wolfgang Schöffel seine Bilder (Mitte) wieder abhängen. Es störte ihr Geruch.
„Ich stelle seit 1983 aus und so etwas ist mir noch nicht passiert“, sagt
Künstler Werner Schöffel verärgert und fassungslos.
Im Reinbeker Rathaus sind regelmäßig Künstler willkommen, das Foyer mit seinen
roten Wänden wird zu ihrer Bühne. Für den 49-Jährigen war es in diesem
Ambiente die erste Ausstellung. Er kombiniert in seinen Werken Kunst und
Technologie, lässt nachbearbeitete Bilder mit Tintenstrahldruck auf Stoff
drucken.

Foto: privat
Künstler Werner Schöffel: "So etwas ist mir noch nie passiert!"
„Mitarbeiter des Rathauses haben sich über einen unerträglichen Geruch nach
Lösungsmitteln beschwert“, sagt Jürgen Vogt-Zembol, zuständig für Inneres
und Finanzen im Rathaus. Das sei schon aufgefallen, als Schöffel die Bilder
in der vergangenen Woche aufgehängt hatte. Man habe sich mit dem Künstler
darauf geeinigt, dass die Bilder einmalig zur Vernissage am Montag dieser
Woche zu sehen sein würden, dann aber entfernt werden müssten.
Das Problem: Schöffels Arbeiten sind Teil eines Gesamt-Kunstwerkes. Anderthalb
Jahre haben der Hamburger sowie Friedrich Kern (Skulpturen) und Monika Stock
(Malerei) an ihrem Konzept „1-2-Dreierlei“ gearbeitet. Nur zusammen machen
die Ausstellungsstücke aus ihrer Sicht einen Sinn. „Die Besucher werden
jetzt im Rathaus stehen und sich fragen, was das Ganze soll. Denn
schließlich fehlt jetzt ein entscheidendes Element im Gesamtkonzept“, sagt
Christine Stecker, Sprecherin der drei Künstler.
Sie versichert, dass alle Besucher der Vernissage keinerlei störenden Geruch
festgestellt hätten und kann den Rauswurf des Künstlers demnach nicht
verstehen. „Es scheint, als wenn nur die Kunst, die dem Reinbeker
Bürgermeister gefällt, dann auch gefällig ist. Schade eigentlich. Der
Dreiklang ist verklungen.“ Das jedoch weist Jürgen Vogt-Zembol von sich.
„Wir haben einzig und allein zum Schutz unserer Mitarbeiter gehandelt. Es
tut mir auch leid für Herrn Schöffel, gern habe ich das nicht gemacht.“
Für Werner Schöffel, Friedrich Kern und Monika Stock ist damit das spannende
Experiment gescheitert. Sie suchen einen neuen Ausstellungsraum. Einen, in
dem alle drei Künstler willkommen sind.sho

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Ernesto Contetuoga meint:
Olga B. Runschke meint:
Offensichtlich hat dieser Bürgermeister nicht den richtiger Riecher für Kunst und darüber hinaus keine Hemmungen sich zu blamieren. -
Beschämend für Reinbek!
David Sorgenfrei meint: