21.05.12

Grabenwasserstände umstritten

Gutachten soll Klarheit bringen

Bergedorf (wi). Nach vielem Hin und Her gaben die Politiker schließlich grünes Licht für den Pflege- und Entwicklungsplan des Naturschutzgebietes Kirchwerder Wiesen.

Dieses Ergebnis kam aber nur zustande, weil die Erhöhung der Winterwasserstände in dem 68 Kilometer langen Grabensystem nicht mehr Bestandteil des Konzeptes ist. Vielmehr will die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) ein hydraulisches Gutachten zum Wassermanagement in Auftrag geben. "In etwa zwei Jahren, wenn die Ergebnisse vorliegen, treffen wir uns wieder", sagte Christian Michalczyk vom Amt für Natur- und Ressourcenschutz, den der beharrliche Widerstand gegen die höheren Wasserstände "ein bisschen verwirrte".

Bereits vor einem Jahr stellten Mitarbeiter der BSU Pflege- und Entwicklungspläne im Grünausschuss vor: damals für die Naturschutzgebiete Kiebitzbrack und Zollenspieker. Genau wie den Kirchwerder Wiesen fehlt auch ihnen eine kontinuierliche Pflege. Die Folge: Gehölze können ungehemmt wachsen und verschatten große Areale, was weder Flora noch Fauna zuträglich ist. Ähnlich verhält es sich in Hamburgs größtem Naturschutzgebiet: "Auch hier muss dringend gerodet, zahlreiche Gräben dringend entschlammt werden", sagt EGL-Geschäftsführer Dr. Jörgen Ringenberg.

Der Landschaftsarchitekt, den die BSU mit der Ausarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplans beauftragte, stuft das Grünland, das 69 Prozent des 856 Hektar großen Gebietes ausmacht, als den "wichtigsten Lebensraum" ein. "Fast noch wichtiger sind aber die Gräben, weil es dort eine Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen gibt." Krebsschere, Sumpf-Läusekraut, Zungen-Hahnenfuß, Schlammpeitzger, Moorfrosch, Grüne Mosaikjungfer und Trauerseeschwalbe - um nur einige zu nennen.

"Hamburg kann stolz sein auf ein so artenreiches Naturschutzgebiet", sagte Jürgen Stubbe (CDU) und setzte gleich nach: "Warum dann die Wasserstände ändern? Es hat ja einen Sinn, dass es auch eine Entwässerung gibt." Dem schlossen sich andere Redner an, die ebenfalls auf die häufigen Vernässungen im Landgebiet - vor allem im Winter und Frühjahr - eingingen. In dieser Angelegenheit ist bestimmt noch nicht das letzte Wort gesprochen. Spätestens, wenn das Gutachten vorliegt, stehen sie erneut vor der Entscheidung, ob sie der Erhöhung des Winterwasserstandes zustimmen oder nicht.

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