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Geschockte Blicke auf die Brandruine

Moorfleet. Die Luft riecht nach feuchtem Qualm und verbranntem Kunststoff. Rußig-vereiste Schiffsgerippe dampfen am Moorfleeter Deich in der Sonne. Die Feuerwehr löscht letzte Brandnester in einem Trümmerfeld, dort, wo 16 Jahre lang die GTS-Bootshalle gestanden hat.
Am Deich stehen gestern Morgen Anwohner und Bootseigner, fassungslos, geschockt, neugierig. "Von meinem Tuckerschiff ist nichts übrig geblieben", sagt Rainer Lenzen (69) und schaut ins Leere, "das ist das Ende meiner Schipper-Karriere".
Der Norderstedter ist nicht der einzige, der mit seinem Boot sein Hobby verloren hat. Etwa 50 Schiffe standen in der 1500 Quadratmeter großen Halle, sagt Günther Michael, neben Thomas Tegtmeyer und Sven Michael Miteigentümer der GTS-Bootslagerung. Er weiß noch nicht, ob am gleichen Ort wieder eine Halle aufgebaut wird. Der Schaden an Halle, Inventar, Trailern, Zugmaschine und Kran gehe in die Millionen.
Zumeist hochwertige Yachten hatten in der Halle ihr Winterlager. So auch die Bavaria 38 von Tim Schulz aus Buchholz. Seine "Harmonia" hatte noch nicht einmal 40 Betriebsstunden auf dem Buckel. Wie schlimm es um sein Schiff steht, kann er gestern Morgen nicht abschätzen. Noch hat die Polizei das Gelände nicht zum Betreten freigegeben, kleben orangefarbene Zettel mit der Aufschrift "Tatort" am Eingangstor.
Als Brandursache kursiert "Kurzschluss". Kaum ein Trost für Rudolf Hobl (68) und seine Frau, die aus Norderstedt nach Moorfleet geeilt sind. Ihre Adler 31, ein klassisch-schönes Motorboot alter Machart, sieht aus wie ein Eisgemälde, ist überzogen von gefrorenem Löschwasser. "Es ist alles verloren", sagt seine Frau geschockt. Von Ferne wirkt das 70 000-Euro-Schiff noch intakt, "aber wer weiß wie es von unten aussieht", sagt Rudolf Hobl mit Blick auf seine "Mike".
"Es hat hell leuchtend gebrannt, immer wieder sind Rauchpilze in die Höhe geschossen", erzählt Gerald Milinovic. Er wohnt nur etwa 150 Meter entfernt, hatte das Geschehen in der Brandnacht vom Wintergarten aus im Blick. Rund 30 Mal habe es geknallt wie von Feuerwerkskörpern, unterbrochen von gewaltigeren Explosionen. Auch Kim Jennifer Gronau, die direkt neben der Bootslagerung wohnt, hat es ordentlich knallen gehört: "Ich hatte Angst um das Boot meines Vaters. Aber es ist unversehrt." So viel Glück hatte Phillip Moffat nicht. Sein Motorboot Cobalt 220 mit dem Namen "Modul 1" ist ein Opfer der Flammen geworden. "Es tut mir so leid", sagt er, "jede Sache und jedes Boot hat doch auch irgendwie eine Seele."
Vermutlich dank des ungewöhnlichen Ostwinds davon gekommen ist Hartmut Sprengel mit seinem 14-Meter-Stahlschiff "Hacon", das noch im Wasser liegt. "Vom Steg aus hat die Feuerwehr gelöscht", erzählt der 69-Jährige, der sein Schiff auch im Winter fährt, wenn die Dove-Elbe eisfrei ist. Nach der Brandnacht sind Strom- und Wasserversorgung tot, kann er sein Boot nicht heizen. Doch er will die Nacht an Bord bleiben: "Ich habe Angst vor Plünderern."

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© Bergedorfer Zeitung 2008