Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/printarchiv/titel/article61132/Kubicki_FDP_will_Kruemmel_abschalten.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Kubicki (FDP) will Krümmel abschalten

Geesthacht. Neuer politischer Gegenwind für das Atomkraftwerk Krümmel - diesmal von einer eher überraschenden Seite: Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, hat sich dafür ausgesprochen, Restlaufzeiten von Krümmel auf das Atomkraftwerk Brokdorf zu übertragen.
Dies habe er dem Vorstandschef von Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka, vorgeschlagen und der wolle darüber nachdenken, sagte Kubicki in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt".
Das Atomkraftwerk Krümmel, das 1983 in Betrieb genommen wurde, ist mit mehr als 1400 Megawatt Leistung der größte Siedewasserreaktor Deutschlands. Bis 2017 soll der Meiler noch Strom produzieren, eventuell aber auch noch länger. Denn nach einem Trafobrand im Sommer 2007 ruhte der Betrieb zwei Jahre lang. Kurz nach dem Wiederanfahren im Juli 2009 kam es zu einer erneuten Pannenserie, das Kraftwerk ging wieder vom Netz. Diese Zeit des Stillstands könnte zu einem längeren Betrieb von Krümmel führen. Jahre, die die Landes-FDP auf Brokdorf übertragen will. Das Kraftwerk ist 24 Jahre alt und soll 2019 abgeschaltet werden.
Für den Betreiber keine Option: "Wir gehen davon aus, dass das Atomkraftwerk Krümmel wieder ans Netz geht", sagt Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Buckow. Einen Zeitpunkt dafür könne sie noch nicht nennen. Ein zentraler Punkt ist der Austausch der Transformatoren. Meyer-Buckow: "Die Fundamente sind fertig, jetzt werden die Trafohäuser errichtet." Nicht nur die beiden großen Transformatoren, die den erzeugten Strom ins Netz einspeisen, sondern auch zwei Eigenbedarfs-Trafos und 26 weitere Trafos im Kraftwerk werden ersetzt. Die großen Transformatoren kommen per Schiff, sobald der Elbe-Lübeck-Kanal wieder eisfrei ist, so die Vattenfall-Sprecherin. Außerdem läuft zurzeit die jährliche Revision mit einer Vielzahl von Arbeiten.
Die Geesthachter Bettina und Gerhard Boll, die erfolglos gegen das Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente in Krümmel geklagt hatten, sehen Kubickis Vorstoß mit Interesse: "Das sieht die FDP im Land anders als im Bund - und als der Geesthachter Ortsverband", sagt Gerhard Boll. Für Sonnabend, 24. April, planen Atomkraftgegner eine 120 Kilometer lange Aktions- und Menschenkette zwischen Krümmel und Brunsbüttel. "Daran wollen wir uns regional ganz stark beteiligen", kündigt Bettina Boll an.
Neben dem örtlichen BUND werden die Bürgerinitiative Leukämie, die Geesthachter Elterninitiative, Vertreter der Kirche, der SPD und der Grünen sowie Bürgermeister aus der Elbmarsch dabei sein.

nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008