Großeinsatz
Kurzschluss löst Inferno aus - Halle mit 50 Yachten zerstört
Mittwoch, 1. Februar 2012 04:00
- Von Carsten Neff und Wiebke Schwirten
Moorfleet. Als am Dienstagmorgen über der Dove Elbe orangerot die Sonne aufgeht, blicken die Feuerwehrleute auf eine befremdliche Szenerie: Auch zwölf Stunden nach Ausbruch des Großfeuers im Bootslager steht noch ein dichter Rauchpilz über der Halle am Moorfleeter Deich.
Die Gerippe der ausgebrannten Yachten schwimmen in einem Meer aus Löschschaum. Immer wieder züngeln in dieser "weißen See" Flammen empor. Wenige Meter weiter bilden sich bizarre Eisskulpturen aus gefrorenem Löschwasser.
Der Kampf der Elemente - diese unglaubliche zerstörerische Hitze der bis zu 20 Meter hohen Flammen und die extreme Winterkälte, die Ventile einfrieren lässt und Löschwasser in eisige Rutschbahnen verwandelt - hat die insgesamt 220 Feuerwehrleute an die Grenzen ihrer Kräfte gebracht.
Der Alarm geht am Montagabend um 20.30 Uhr ein: Feuer in der Halle der "GTS Bootslagerung". Als der erste Löschzug eintrifft, ist das Inferno schon nicht mehr aufzuhalten. Aus der 1500 Quadratmeter großen Lagerhalle sind mehrere Detonationen zu hören. Tanks der etwa 50 dort lagernden Boote explodieren. Meterhoch züngeln die grellen Flammen aus dem Wellblechdach in den schwarzen Nachthimmel. Als das Feuer auf eine am Bootssteg liegende Yacht übergreift, platzt der Tank. Das brennende Benzin fließt als Feuerwalze auf die Löschtrupps zu. Die Männer lassen Spritzen und Schläuche liegen und nehmen ihre Beine in die Hand.
"Wir haben dann schnell auf die sechste Alarmstufe erhöht", erklärt Feuerwehrsprecher Hendrik Frese: "Doch die Halle mit Booten und Oldtimer-Autos war nicht mehr zu retten." Neun Züge der Berufswehren, freiwillige Helfer aus Allermöhe, Reitbrook, Moorfleet, Fünfhausen, Warwisch, Neudorf, Kirchwerder, Curslack und die FF-Bille, sowie ein Löschboot, Spezialisten der Technik- und Umweltwache und Helfer des THW waren im Einsatz. Es gelingt ihnen ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Die Nachlöscharbeiten dauern noch bis zum Dienstagabend.
Der Eigentümer eines der Boote war in der Halle, als das Feuer ausbrach. Bei dem vergeblichen Versuch den Entstehungsbrand zu löschen, sengte er sich die Haare an. Mit einer Rauchvergiftung kam der 49-Jährige ins Krankenhaus. Ansonsten entstand nur Sachschaden, der aber wohl in deutlicher Millionenhöhe. "Vermutlich hat ein elektrischer Defekt das Feuer ausgelöst", bestätigt Polizeisprecher Holger Vehren: "Wir haben keinerlei Hinweise auf Brandstiftung." Doch die Arbeit der Brandermittler vom Landeskriminalamt wird noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. "Die Verwüstung ist enorm", so Vehren: "Dort hat ein Feuersturm gewütet".
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