Straßenbeleuchtung
Bei Anruf Licht
Freitag, 25. Februar 2011 04:00
- Von Marcus Jürgensen
Schwarzenbek/Güster. Der 4. März ist ein besonderer Tag: Am Freitagabend gehen um 20 Uhr in Güster die Lichter aus und werden per Telefonanruf wieder aktiviert. Die 1300 Einwohner zählende Gemeinde am Elbe-Lübeck-Kanal ist die erste im Norden, die ihre Straßenbeleuchtung per Telefonanruf anschalten lässt.
"Dial4light" heißt das System, dass Diplom-Designer Dieter Grote für seine Heimatgemeinde Dörentrup in Nordrhein-Westfalen entwickelt hat und das von einer Tochterfirma der Stadtwerke Lemgo vermarktet wird.
Weil sein Onkel in Güster lebt, hatte Grote das System im vergangenen August auch den dortigen Lokalpolitikern vorgestellt (wir berichteten). Jetzt wird "Dial4light", was so viel wie "Bei Anruf Licht" bedeutet, in Güster umgesetzt: Jede Straße erhält eine Telefonnummer, ein schlichtes Modem im Verteilerkasten übernimmt die Schaltung. Sechs Modems zum Stückpreis von 400 Euro hat Elektromeister und Vize-Bürgermeister Michael Gesche mittlerweile installiert - gesponsert von örtlichen Geschäftsleuten. "Wir sparen deshalb bereits im ersten Jahr 4500 Euro an Stromkosten", sagt Gesche: Statt 7300 Euro kostet die Gemeinde die Beleuchtung ihrer zwölf Straßen künftig nur noch 2800 Euro - inklusive einer Wartungspauschale in Höhe von 900 Euro. "Das eingesparte Geld können wir dann inklusive EU-Zuschüssen in die Modernisierung unserer Straßenlaternen investieren", sagt Gesche, der von der Lemgoer Firma einen Gebietsschutz erworben hat. Er darf das System in 28 Kommunen im Kreis installieren - auch in Schwarzenbek.
Doch hier winkt man ab: "Ich werde mir das System ansehen, schließlich wird man davon nicht dümmer", sagt Jörg Balk, im Bauamt zuständig für Straßenbeleuchtung. Er verweist jedoch auf die Verkehrssicherungspflicht, die eine DIN-gemäße Beleuchtung des Straßenraums vorschreibt. Balk: "Wenn Lampen installiert sind, müssen sie auch ihren Zweck erfüllen."
Bisher gibt es in der Europastadt nur eine Nachtschaltung. Das bedeutet: Ab 22.30 Uhr wird jede zweite Leuchte - sofern sie mit einem roten Band gekennzeichnet ist - abgeschaltet. Doch auch Balk setzt auf Innovationen: Noch in diesem Jahr soll ein Straßenzug per LED-Technik beleuchtet werden. Eine Versuchsstrecke mit den energiesparenden Lampen gibt es bisher nur in Kassel. Welche Straße so beleuchtet wird, kann Balk noch nicht sagen: "Die LED-Umrüstsätze gibt es nicht für alle Lampentypen. Wir schauen jetzt, in welcher Straße das am einfachsten zu realisieren wäre."


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