Unsere blumige Kalender-Serie
Hier blüht Ihnen jeden Monat etwas
Montag, 12. Januar 2009 01:32
- Von Christine Stanke
Aumühle. Till Sudeck führt ein dickes Gästebuch. Darin sammelt er nicht etwa Unterschriften und gute Wünsche, sondern Fotos von seinen liebsten Besuchern: den Blüten von Rosenbusch und Rittersporn, Jasmin und Königskerze, Dahlie und Magnolie.

Foto: Christine Stanke
Till Sudeck begrüßt eine seiner ersten wunderschönen Besucherinnen: Die Kameliendame macht
ihrem Beinamen alle Ehre: Sie wird auch Winterrose genannt.
Das ganze Jahr über haben der Töpfer Till Sudeck und seine Frau Janina blumigen Besuch in voller Pracht und Blüte. Ihre Freude daran teilen sie 2009 Monat für Monat mit unseren Lesern. Noch können die beiden Gartenfreunde nicht vorhersehen, was sie und die Leser erwartet: " Manchmal entdecken wir noch unbekannte Pflanzen. Oder jeden Morgen eine neue Blüte. Wir haben eben einen spontanen Garten."
Jetzt im Januar blühen natürlich weder bunte Dahlien noch roter Klatschmohn, keine Rosen duften in der Pergola und nur eine vergessene Erdbeere hängt noch hellrosa am Strauch. Farbe gibt es dennoch in dem weiß verschneiten Garten der Töpferei in Aumühle. "Hier sind die Knospen der Christrose, schön dunkelrot, die gehen bald auf", sagt der Mann im dicken Wollpulli, stellt seinen Gehstock beiseite und beugt sich über eine der wenigen Blüten in der kalten Jahreszeit. Während in allen weiteren Beeten Ruhe herrscht, rührt sich zumindest im zehn Grad warmen Wintergarten noch blühender Besuch. "Die Kamelie hier habe ich gekauft, als sie zehn Zentimeter groß war", erzählt der Blumenliebhaber und betrachtet zufrieden die inzwischen fast eineinhalb Meter große, buschige Pflanze, die mit weißen Blütenkelchen protzt. Doch schon bald wetteifert der ganze Garten um die Gunst der Gärtner. Nach 35 Jahren auf ihrem Grundstück wissen die Sudecks: Woche für Woche blüht ihnen jede Menge Besuch.
Immerhin sind 52 Rosen, ein Magnolienbusch, ein zwei Meter hoher Ginkgobaum und Hunderte von Sommerblumen seit Jahren bei ihnen zu Hause. "Einige Rosen haben wir nach den Leuten genannt, die sie uns geschenkt haben. Eine Rose heißt 'Frau Fritz', eine andere 'Frau Gras'", erzählt Janina Sudeck. Das neueste Projekt der Hobbygärtner ist eine Weinlaube. " Hier sollen uns mal die Trauben in den Mund fallen", träumt Till Sudeck von langen Nachmittagen in der schattigen , bewachsenen Pergola.
Einige Relikte alter Zeiten haben ebenfalls im Garten überlebt. " Hier war einst ein Gemüsefeld", erinnert sich der 82-Jährige, der auf dem Nachbargrundstück aufgewachsen ist. Die Spargelpflanze in einem Eckbeet erinnert ihn an seine Kindheit. Auch ein Kartoffelbeet zollt der Geschichte des Grundstücks Respekt. "Immerhin konnten wir im vergangenen Jahr dreimal unsere eigenen Kartoffeln essen", sagt Janin Sudeck.
Nutzen soll der Garten den Blumenfreunden allerdings nicht bringen- nur Freude. "Und sollten wir jemals sagen, dass der Garten Arbeit macht, hören wir auf", sind sich beide einig. In ihrem vollständig verglasten Wohnzimmer sind sie das ganze Jahr über ihren Blumen nah. Derzeit blicken sie noch auf Schnee- und raureif-bedeckte Ödnis. Doch an einem Sonnenfleckchen auf der Terrasse zeigen sich Vorboten fürs baldige Blütenmeer: Zartes Grün von Krokus und Schneeglöckchen ragt hier aus dem gefrorenen Boden. Wie diese Frühjahrsboten den Garten verzaubern, lesen sie - je nach Witterung - in einer Februar- oder März-Ausgabe der bz.


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