Großeinsatz
Ein Flammenmeer im Unterholz
Dienstag, 6. Juli 2010 04:00
- Von Timo Jann und Susanne Holz
Aumühle/Reinbek. Feuer im Sachsenwald: Diese Meldung führte gestern ab 12.20 Uhr immer mehr Feuerwehrleute aus der Region in das unübersichtliche Gehölz.
Retter aus Aumühle, Dassendorf, Wohltorf, Kröppelshagen, Kuddewörde, Reinbek-Ohe und Geesthacht mussten ausrücken, um einen Waldbrand im Gebiet "Jagen 306" zu löschen. Zeitweise loderten meterhohe Flammen auf, es bestand die Gefahr, dass der Brand an zwei Stellen auf angrenzende Schonungen übergreifen könnte.
Möglicherweise hatte ein Brandstifter sein Unwesen getrieben. Gleich an zwei Stellen stand gestern Morgen gegen 9 Uhr aus offiziell noch ungeklärten Gründen der trockene Waldboden nordöstlich von Friedrichsruh in Flammen. Eine Stunde lang waren Feuerwehrleute aus Aumühle und Wohltorf im Einsatz, um den Brand zu löschen und den ausgetrockneten Waldboden so zu wässern, dass von der betroffenen Stelle keine Gefahr mehr ausgehen konnte.
"Wir hatten Glück, dass ein Waldarbeiter die Brandstellen rechtzeitig entdeckt und das Feuer gemeldet hat", erklärte Karl-Arnim Samz, Wehrführer und Einsatzleiter der Feuerwehr Aumühle. Forstarbeiter Andy Maschke und ein Kollege wollten unweit des Ödendorfer Weges eigentlich alte Zäune im Wald abbauen, als sie Rauchschwaden im Unterholz entdeckten. "Wir haben sofort die Feuerwehr informiert, ich bin dann los, um die Löschfahrzeuge an der Zufahrt zum Wald abzuholen", sagte Maschke. "Das hat uns geholfen, denn wir hätten im Wald sonst bestimmt längere Zeit nach der Brandstelle suchen müssen", sagte Samz.
Wegen der guten Einweisung durch den Waldarbeiter konnten die Aumühler Feuerwehrleute umgehend den Löschangriff an der ersten Brandstelle aufnehmen. Die nachgeforderten Kameraden aus Wohltorf kümmerten sich um die zweite Brandstelle, die sich einige Meter entfernt auf der anderen Seite eines Waldweges befand. "An das Märchen mit dem Brennglas-Effekt glaube ich nicht. Ich bin 45 Jahre Feuerwehrmann, aber dass so ein Flächenbrand durch eine von der Sonne beschienenen Scherbe ausgelöst wurde, habe ich noch nicht erlebt", sagte Erhard Bartels von der Aumühler Wehr. Er vermutet Brandstiftung.
Entsprechende Spuren fand die Polizei vorerst nicht. Doch wenig später gab es einen viel größeren Waldbrand - und zumindest die Feuerwehrleute sahen ihren Verdacht auf schlimme Weise bestätigt. "Das fängt hier nicht einfach so an zu brennen", sagte Samz. Er und seine Kameraden sahen sich einem Flammenmeer gegenüber. "Wir mussten zehntausende Liter Löschwasser mit unseren Einsatzwagen in den Wald fahren, um die Flammen in den Griff zu bekommen", sagte der Einsatzleiter. Die Löschfahrzeuge waren vor dem Bismarck-Museum in Friedrichsruh geparkt, dort wurde nachgetankt. Aumühles Wehrführer wurde durch die Technische Einsatzleitung des Kreisfeuerwehrverbandes an der unübersichtlichen Brandstelle unterstützt. Vielen Rettern steckte jedoch noch die Müdigkeit in den Knochen, denn bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte es in Sachsenwaldau auf dem Gelände der sozialtherapeutischen Klinik "fördern und wohnen" gegen 0.35 Uhr gebrannt. 15 große Heuballen, die am Sonnabend beim Sommerfest als Schutz beim Bogenschießen zum Einsatz gekommen waren, standen in Flammen. Selbstentzündung schließt Ohes Wehrführer Oliver Selke aus. "Das Stroh hat von außen, nicht von innen gebrannt", sagt er. Auch dieser Brand war nicht ohne, Bäume hinter dem Stroh waren bereits in Brand geraten. Menschen wurden nicht verletzt. Alle Bewohner der Einrichtung waren durch Feuermelder gewarnt worden, sammelten sich auf einem Vorplatz, fern der Feuerstelle.
Das trockene, heiße Wetter bereitet den Feuerwehrleuten und Waldbesitzern derzeit generell Sorgen. "Wir appellieren an die Waldbesucher, kein offenes Feuer in der Natur zu entfachen. Wer einen Brand entdeckt, sollte umgehend über den Notruf 112 die Feuerwehr rufen und die Einsatzkräfte an einer geeigneten Zufahrt einweisen", sagte Samz.


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