Wahl
Heidelberg soll es weiter richten
Montag, 8. März 2010 04:00
- Von Susanne Holz
Wentorf. Bei derart guten Worten kann selbst ein amtierender Bürgermeister schon mal rote Ohren bekommen.
Denn das Lob für seine Arbeit kam von höchster Stelle. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (55, CDU) hatte gestern bei deftigem Grünkohl der CDU Wentorf dazu gratuliert, im Herbst erneut Mathias Heidelberg ins Rennen um das Bürgermeisteramt zu schicken. Der Verwaltungschef habe einen kurzen Draht zur Landesregierung, nutze mit seinen Kontakten alle Chancen, für Wentorf das rauszuholen, was auf Landesebene möglich ist. "Wer hätte zudem geglaubt, dass Wentorf als erste Gemeinde in Schleswig-Holstein mit anderen Städten ein Mittelzentrum gründet", so der Innenminister. Worte, die auch die FPD Wentorf mit Freude zur Kenntnis nehmen wird. Sie hat ebenfalls schon jetzt Heidelberg ihre Unterstützung im Wahlkampf zugesagt. Ebenso der Innenminister selbst, der zwölf Jahre als Realschullehrer in Wentorf arbeitete.
Deshalb brachte der 55-Jährige zwar viel Verständnis für die Situation der Gemeinde, aber weniger gute Nachrichten mit. "Es wird eine lange Durststrecke geben. Es gibt zwar keine Verschlechterung zulasten der Kommunen, aber auch kein frisches Geld", so Schlie. Letzteres könnte Wentorf jedoch gut gebrauchen, wie Mathias Heidelberg in seiner Einführungsrede verdeutlichte. Schulen, Kinderbetreuung, Straßenbau - alles verschlinge Unsummen. "Es wird ziemlich eng mit der finanziellen Lage in Wentorf. Der gemeindliche Haushalt ist bis an die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit ausgeschöpft", so Heidelberg. Ab 2011 müssten Kredite aufgenommen werden, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und die werden nicht weniger, wird die Gemeinde doch bald an die 13 000 Einwohner haben.
Zumindest bei der Gestaltung der Wentorfer Zukunft verspricht Innenminister Schlie bürokratische Erleichterung. "Ich setze mich für Deregulierung ein. Es kann nicht sein, dass man bei einem Beteiligungsverfahren für einen Bebauungsplan 50 Träger öffentlicher Belange einbinden muss. Wir brauchen nur noch eine Ebene, die prüft", betont er. Den Kommunen müsse mehr Freiräume bei der Gestaltung gegeben werden. "Wir werden die Gemeindeordnung entrümpeln", verspricht Schlie. Verbal sprang er der Gemeinde auch bei den Themen Schulen und Straßenbaubeitragssätze zur Seite. Die Ansagen zum Stichwort Gastschüler an Wentorfer Bildungseinrichtungen: "Nachbar-Kommunen von Wentorf müssen sich an den Kosten beteiligen. Wenn es keinen Schulverband gibt, muss es zu einer Vollkosten-Übernahme kommen." Einen Schulterschluss mit dem Bürgermeister vollzog Schlie auch bei der Straßenbaubeitragssatzung. "Es gilt der Grundsatz ,Gebühren vor Steuern'. Die Kosten müssen umgelegt werden, das ist Gesetz."
Die CDU ist zuversichtlich, dass ihr Kandidat weiter in ihrem Sinne arbeiten wird. "Ändere dich nur, wie wir es gern hätten", gab der Fraktionsvorsitzende Harro Vogt ihm lächelnd mit auf den Weg. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob weitere Parteien CDU und FDP folgen.


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