Engagement
Im Tierheim findet selbst der "Osterhase" Weihnachts-Asyl
Mittwoch, 9. Dezember 2009 04:00
- Von Susanne Holz
Reinbek. Es ist definitiv nicht seine Saison. Während die Rentiere des Santa Claus derzeit ungeduldig mit den Hufen scharren und probeweise mit der Kutsche ihre Runden drehen, macht es sich der "Osterhase" im Tierheim Reinbek gemütlich.
Sein kuscheliges Nest teilt er mit illustrer Gesellschaft: Drei Meerschweinchen, sieben Kaninchen, 28 Katzen und ein Flusskrebs warten auf ein neues Zuhause. Demnächst kommen noch 30 Kanarienvögel hinzu. Klaus Petersen, ehrenamtlicher Helfer der ersten Stunde, arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Vogelvoliere, in der ein Thermohäuschen für die gefiederten Gäste Platz finden wird.
Die Jahresbilanz 2009 von Tierheim-Initiatorin Karen Schönbrodt und ihrem Team kann sich sehen lassen. Binnen weniger Monate haben die Ehrenamtlichen bei Wind und Wetter einfache Container in ein Übergangsheim für Samtpfoten verwandelt und Außengehege konzipiert, in denen sich selbst Wohnungskatzen wie Freigänger fühlen. Hinzu kommen Außenställe für Kleintiere, die mit Futterschaukeln, Baumstämmen, Stöckchen und großen Tellern mit Möhren, Äpfeln und Co. einem Erlebnispark für Langohren mit Speise-Ecke gleichen. Dank großzügiger Spenden werden bald auch die Gehege für Hunde in Angriff genommen.
Die Arbeit ginge noch schneller voran, wenn nicht immer wieder dreiste Diebe die Bemühungen der Tierschützer untergraben würden. "Uns sind schon mehrmals gespendete Baumaterialien geklaut worden", sagt Karen Schönbrodt. Jüngstes Beispiel: Eine große und schwere Drahtrolle, mit der ein 300 bis 400 Meter langes Gehege umzäunt werden sollte. "Einmal haben Unbekannte auch Sand geklaut. Ich bin sicher, dafür mussten sie mit einem Lkw vorfahren", so Schönbrodt.
Wenn sie und ihre Mitstreiter einen Wunschzettel schreiben würden, stünde dort neben Katzenfutter, Streu und Baumaterial vor allen Dingen "helfende Hände". "Wir freuen uns über jeden, der hier mit anpackt", sagt Klaus Petersen. Vom tierlieben Jugendlichen bis hin zum handwerklich begabten Rentner sind alle willkommen. "Das wäre das Größte, wenn uns Menschen zehn Stunden ihrer Freizeit schenken würden", wünscht sich Schönbrodt. Zu tun ist immer etwas: Holz streichen, Drähte ziehen, Platten verlegen. Tierfreunde mit Hang zur Inneinrichtung können auch die Katzenhäuser gemütlich gestalten.
Dass die schon Hotelcharakter haben, beweist Danilo. Dem roten Kater gefällt das Tierheim so gut, dass er Frauchen Mona Hermes jeden Tag begleitet, wenn sie von Neuschönning-stedt zu Fuß Richtung Tierheim wandert. Der rote Kater rennt keck und ohne Leine über vielbefahrene Straßen und weicht der 43-Jährigen wie ein Hund dabei nicht von der Seite. "Dem gefällt's hier einfach", sagt Mona Hermes, die die 28 Katzen betreut. Abends kann sich Danilo nur schwer von seinen neuen Freunden trennen.
Die allerdings suchen auch wieder ein liebevolles Zuhause - das wäre für sie das schönste Weihnachtsgeschenk.


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