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Zauberformel gegen Gewalt gesucht

Reinbek (tv). Wie erzieht man Kinder und Jugendliche zum Verzicht auf körperliche und seelische Gewaltanwendung? "Aspekte der Erziehung gegen Aggressivität" hieß das Thema eines weiteren Kaminabends, zu dem der Verein "Kontakt" und das Schloss ins Kaminzimmer geladen hatten.
Referenten und Gesprächsleiter waren der Reinbeker Jugendpastor i. R. Martin Hennig und der Pädagoge Christoph Schmidt - von Gastgeber Prof. Rolf Bettaque als "Herz des Beratungszentrums Südstormarn" in Reinbek vorgestellt.
Martin Hennig ließ keinen Zweifel daran, dass neben dem sozialen Umfeld und der schulischen Erziehung die kindlichen Erfahrungen aus dem Elternhaus eine entscheidende Rolle dabei spielen, in welcher Form sich Heranwachsende mit der gesellschaftlichen Realität arrangieren. So zitierte der Pastor eine US-amerikanische Studie, nach der dortige Wehrdienstverweigerer vorwiegend aus Familien mit freundlicher Gesinnung und zärtlichem Umgang stammen. Personen, die sich dagegen freiwillig zum Dienst an der Waffe meldeten, hatten im Elternhaus ungleich häufiger Gefühlskälte, Härte, materielle Wertemuster und körperliche Strafen erfahren. "Dieses Ergebnis deckt sich mit einer Kernaussage des niedersächsischen Kriminalpsychologen Christian Pfeiffer", so Martin Hennig: "Mit der Zahl der Gewalterlebnisse in der Familie steigt die Affinität junger Menschen zu Feindbildern." Als entscheidende Ideale in der Erziehung nannte Hennig das Vorleben von Sensibilität und Rücksicht für andere, das Vermitteln von Ich-Stärke, die Fähigkeit, Niederlagen hinzunehmen sowie die Entwicklung von Skepsis gegen Vorurteile.
Den zwölf Gästen des Kaminkreises war all das nicht wirklich neu. Teilnehmer Rudolf Zahn aus Reinbek brachte es auf den Punkt: "Diejenigen Menschen, die das Problem wirklich betrifft, erreichen wir mit unserer Gesprächsrunde nicht. Wir betreiben hier regelmäßig noble Edelmuts-Gymnastik, aber wie kommen wir an die Leute heran, denen diese Erziehungsideale gänzlich fremd sind?" Reinbeks Kulturchef und Mitgastgeber Bernd M. Kraske unterstrich, dass die musischen Schulfächer der beste Garant für die Entwicklung von Sensibilität seien. Der Wegfall von Musik, Bildender Kunst und Religion im Unterrichtsalltag sei eine Bankrotterklärung des Schulwesens. Sigrid Bettaque wagte die Vision, dass soziale, ehrenamtliche Tätigkeit unter jungen Menschen einmal als chic und trendy gelten könnte: "Das müsste doch irgendwie zu installieren sein."
"Wir betreiben hier regelmäßig noble Edelmuts-Gymnastik, aber wie kommen wir an die Leute heran, denen diese Erziehungsideale fremd sind?" Rudolf Zahn

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© Bergedorfer Zeitung 2008