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Opernarien auf der alten Diele des Kratzmann'schen Hofes

Oststeinbek (st). Das hätte wohl auch der ehemalige Eigentümer des Kratzmann'schen Hofes nicht für möglich gehalten: Auf der einstigen Diele des alten Bauernhauses erklangen jetzt Opernarien.
Miriam Sharonis und Matthias Minnichs wohltönender Sopran und Bariton erfüllten den Theatersaal des neuen Bürgerhauses.
"La ci darem la mano" (Reich mir die Hand mein Leben), sang Minnich in der Rolle des Verführers als Don Giovanni. Sharoni als Braut Zerlina zitterte zwar das Herz, doch sie schien nicht wirklich abgeneigt, ihm zu folgen. Die etwa 100 Zuschauer waren begeistert. "Ein tolles Konzert", sagte Renate Josenhans aus Kirchwerder. "Das Zusammenspiel der Musiker mit den Sängern gefiel mir gut."
Seit der Insolvenz des Theaters Oststeinbek im August 2009 war an der Möllner Landstraße 20 nicht mehr viel passiert. "Schade, das ist so eine wunderbare Spielstätte", befand die Oststeinbekerin und Profimusikerin Julia Semenova. Viele kennen die Violinistin durch das Musische Forum. "Wir wollten wieder ein bisschen Leben in das Bürgerhaus bringen", erzählte sie. Das ist der Konzertmeisterin gelungen: Das Hamburger Juristenorchester, in dem sie die erste Geige spielt, mietete den Saal und lud die beiden Solisten zum Konzert mit ein.
Mehr als die Hälfte der etwa 40 Orchestermitglieder "haben einen anständigen Beruf", wie ihr Dirigent Klaus Peter Modest es ausdrückte - Rechtanwälte, Richter, Rechtspfleger, Referendare oder Studenten. "Wir wollen auch mal aus dem Ghetto der Justiz ausbrechen", sagt ihr Vorsitzender Hans-Jürgen Groth. "Immer nur vor den Ehepartnern spielen ist öde."
Unüberhörbar fehlte es den Musikern weder an Humor, noch an Musikalität. Gemeinsam sangen und spielten sie Partien von Ludwig van Beethoven, Christoph Willibald Gluck und Josef Strauss.
Als Sharoni den Czardas "Klänge der Heimat" aus der Fledermaus von Johann Strauß interpretierte, riss sie das Publikum zu Bravo-Rufen und Fußgetrappel hin. Nach der Zugabe - das Duett zwischen Papageno und Pamina aus der Zauberflöte - prasselte der Beifall auf Sänger und Orchester nur so nieder.

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© Bergedorfer Zeitung 2008