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Zweites Kinderhaus muss warten

Glinde. Mit einer Enttäuschung für den Deutschen Kinderschutzbund (KSB) endete jetzt die Stadtvertretung. Denn der SPD-Antrag, dem KSB (Kreisverband Stormarn) den Togohof unverzüglich zur Miete zu überlassen, wurde nach einer emotionsgeladenen Diskussion zurück in die Fachausschüsse verwiesen.
Dabei waren sich alle Fraktionen einig, dass Hilfen bei Versorgung, Pflege und Erziehung angesichts der prekären Lage vieler Kinder dringend nötig sind.
Vor allem zwei Probleme beherrschten die Debatte: Das Konzept des KSB wurde von den Grünen heftig kritisiert. Außerdem leben im Togohof zurzeit Wohnungslose. Ihre Unterbringung obliegt der Stadt.
"Wir haben nichts gegen den Kinderschutzbund und seine Arbeit", betonte Susanne Böhnert-Tank (Grüne), warf dem Stormarner KSB-Geschäftsführer Ingo Loeding jedoch vor: "Dieses Konzept ist mit der heißen Nadel gestrickt: Es gibt keine Gesamtanalyse und es fehlt jeglicher Bezug zu Glinde." Außerdem gab sie zu bedenken, dass die Vertragssituation vollkommen ungeklärt sei, ebenso wie die Eignung des Togohofs und die Unterbringung der Obdachlosen. Sie beantragte, zunächst Sozial- und Hauptausschuss mit dem Thema zu befassen.
Ohne auf ihre Einwände einzugehen, sprach sich Lars Nielson im Namen der CDU dafür aus, dass der KSB seine Arbeit in Glinde aufnimmt: "Seine Arbeit ist eine sinnvolle Ergänzung der Gemeinwesenarbeit, keine Konkurrenz zum Kinderhaus der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit." Frank Lauterbach (SPD) hingegen erwiderte, dass es immer noch möglich sei, im Sozial- und im Hauptausschuss Einzelheiten zu klären: "Wir haben mehr als 400 Kinder in der Stadt, die in Armut leben. Deshalb müssen wir jetzt etwas tun."
Nun schaltete sich Bürgermeister Uwe Rehders ein: "Ein solcher Beschluss hieße, das Pferd von hinten aufzäumen. Der Togohof ist für Obdachlose vorgesehen. Wir haben schlicht keine andere Möglichkeit, sie unterzubringen." Er kündigte an, von seiner Widerspruchspflicht Gebrauch machen zu müssen, sollte sich der SPD-Antrag durchsetzen. Lauterbach warf ihm vor: "Wenn wir Ihnen folgen, passiert nichts." Nach einer Sitzungsunterbrechung änderte die SPD jedoch ihre Meinung: "Um die Kuh vom Eis zu kriegen, schlagen wir vor, den Antrag in den Sozialausschuss zu verweisen", sagte Lauterbach. Diesem Antrag, der dem Grünen entsprach, folgte die Politik einstimmig.
Loeding wies Böhnert-Tanks Kritik nach der Sitzung von sich: "Das war starker Tobak, und hat mich sehr überrascht." Der Kinderschutzbund betreibe seit 20 Jahren Kinderhäuser in Stormarn. Das Konzept habe bundesweit Modellcharakter, man wolle es vor Ort an den Bedarf anpassen.

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© Bergedorfer Zeitung 2008