Hoher Schaden
Fischwilderer rüsten massiv auf
Freitag, 23. Juli 2010 04:00
- Von Kim Nadine Meyer
Geesthacht. Sie kommen am Abend oder sogar nachts. Eine Angelroute reicht ihnen längst nicht mehr. Sie haben professionelle Netze dabei, Schlepp- und Standnetz - um ordentlich Fisch rauszuholen aus der Elbe an der Schleuse, direkt dort, wo das Fischen verboten ist.
Was sie tun, ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat.
"Gerade für bestimmte Fischarten ist ein illegales Abfischen besonders schlimm", sagt Dr. René Schwartz (41). Er ist Gewässerschutz-Referent im Hamburger Amt für Umweltschutz. Zusammen mit Vertretern aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein arbeitet er an der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Projekt "Koordinierungsraum Tideelbe". "Wenn zum Beispiel lediglich 300 Lachse pro Jahr zum Laichen aus der Nordsee in die Elbe zurückkehren und dann 'nur' 30 von ihnen weggefangen werden, sind das zehn Prozent des gesamten Bestands innerhalb des Elbe-Einzugsgebietes." Das lasse sich sogar in finanziellen Werten ausdrücken: "Bei den Summen, die derzeit für Wiederansiedlungsprojekte ausgegeben werden, liegt der monetäre Wert eines einzigen Lachses schnell bei 1000 Euro. Es sind daher richtige finanzielle Verluste, die die Fischwilderei verursacht."
Von seinen Kollegen und vielfach aus eigenen Beobachtungen weiß Schwartz, dass die Fischwilderei rund um die Geesthachter Schleuse noch immer ein großes Problem ist. Der Experte hat Wilderer bei Kontrollfahrten am Wochenende und spät abends schon häufiger beobachtet. Zum Teil direkt neben den Schildern "Fischfang verboten" und "Videoüberwachung" beidseits der Elbbrücke.
Gelegenheitsangler, die einmalig an der falschen Stelle fischen, seien dabei das geringere Übel. Der professionalisierte illegale Fang mit Stand- und Schleppnetzen ist es, der Schwartz Sorge bereitet: "Insbesondere Zander, Aale sowie Lachse und Meerforellen werden im großen Umfang herausgeholt. Hierbei handelt es sich eindeutig um einen Straftatbestand."
Auch die Geesthachter Polizei weiß von den Vorfällen. "Gerade zur Stintzeit beobachten wir immer wieder Fälle." Streifenwagen und Bezirksdienst würden regelmäßig am Ufer kontrollieren, sagt Peter Froböse von der Geesthachter Polizeistation. Fischwilderei kann mit Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren geahndet werden. Auch wer entsprechende Fische ankauft und weiterveräußert, macht sich strafbar - wegen Hehlerei.


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