Stadtplanung
Als im Hansaviertel noch Einzelhäuser entstehen sollten
Montag, 31. August 2009 02:28
- Von Timo Jann
Geesthacht. In Geesthacht werden seit Jahren große städtebauliche Projekte realisiert. "Geesthacht an die Elbe" und "Rund um St. Salvatoris" sind zwei davon. Die Hafencity wird das Gesicht der Stadt weiter verändern. In einer Serie stellen wir die Stadtplanung vergangener Zeiten, aktuelle Projekte und Visionen für die Zukunft vor.
Was für eine mühevolle Arbeit steckt bloß in diesem großformatigen Plan? Ein so genannter "Besitzstandsplan" aus dem Jahre 1956 wurde über Wochen farbig ausgemalt. Heute undenkbar: In namentlich mit Hilfe einer Legende zugeordneten Farbkombinationen wurden sämtliche Ländereien in und um Geesthacht ihren Eigentümern in schraffierten Darstellungen zugeordnet. "Allein aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfte man so etwas heute nicht veröffentlichen", sagt Kai-Uwe Oberthür, der Leiter der Abteilung für Stadtplanung der Verwaltung.
Was seinerzeit mühsam angelegt werden musste, ist - einmal als Datei angelegt - mittlerweile einfach zu aktualisieren. "Heute geht so eine Darstellung auf elektronischer Basis ganz schnell per Mausklick. Nicht auszudenken, wenn damals ein paar Landwirte Flächen getauscht hätten", sagt Oberthür. Die ganze Stadt mit ihrer Bebauung ist mittlerweile auf elektronischer Basis in den Rechnern der Planer enthalten.
Im Stadtarchiv schlummern unterdessen wahre Schätze längst vergangener Zeiten. "Es ist beeindruckend, wenn man in Ideen für aktuelle Projekte plötzlich Zusammenhänge zu alten Planungen entdeckt", berichtet Oberthür. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden für das gesamte Stadtgebiet so genannte "Aufbaupläne" entworfen. "Darin war festgelegt, wie sich die Stadtteile entwickeln sollten", erklärt Oberthür. Der Diplom Ingenieur weiß, dass davon nicht viel realisiert wurde. "Die Ausrichtung der Stadt stimmt, aber in der Realisierung der Details haperte es dann", sagt er.
So zeigt ein Entwurf aus dem Jahr 1960, dass im "Hansa-Viertel", also im Bereich des heutigen Barmbeker Rings, eine Bebauung mit Einfamilienhäusern vorgesehen war. "Wie wir heute wissen, wurden dort stattdessen Wohnblocks errichtet, weil man Platz brauchte, um all die Menschen, die gerne in Geesthacht leben wollten, unterbringen zu können", erklärt Oberthür. Diesen Boom bei der Nachfrage nach Wohnraum hatten die Verfasser der Aufbaupläne nicht geahnt. Oberthür: "Auch ein Entwurf von 1930 zeigt für den Bereich in Düneberg ganz andere Strukturen, als wir sie jetzt vorfinden."
Während früher sehr großzügige Grundstücke angelegt wurden, ist heute die nachträgliche Verdichtung dieser Areale eine wesentliche Aufgabe der Stadtplanung. "Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, gerade in der Innenstadt noch Flächen nachträglich zu bebauen", berichtet der Abteilungsleiter. Selbst am Stadtrand wurde so schon verdichtet. "Ein gutes Beispiel dafür ist die HEW-Siedlung. Früher gab es hier kleine Häuser auf großen Grundstücken", sagt Oberthür. Der Eichweg und der Angerweg etwa wurden zu Beginn des Siedlungsbaus angelegt. Dazwischen gibt es mittlerweile den Buchenweg und den Tannenweg. Große Grundstücke wurden geteilt, so Platz für komplett neue Straßenzüge geschaffen.


Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche