Umweltpolitik
Hans-Mayer-Siedler verzweifelt
Samstag, 21. Februar 2009 02:44
- Von Karin Lohmeier
Geesthacht. "Unser Umweltminister macht sich zum Sprachrohr Hamburgs." Das sagen Peter Biermann und Sonja Hary von der Siedlergemeinschaft Hans-Mayer-Siedlung nach einem Besuch in Kiel. Anlass: die geplanten Ausgleichsmaßnahmen, die die Hansestadt für die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs umsetzen muss.
Der Schleusenleitdamm zwischen Geesthacht und Altengamme soll auf gut 20 Metern geöffnet werden, so dass die Borghorster Elbwiesen rund 75 Mal im Jahr von Elbwasser vernässt werden. "Wir sprechen von einer Zerstörung des Leitdamms, denn damit werden Zustände wiederhergestellt, die das Gelände unbewohnbar machen - so wie es früher war", sagt Peter Biermann. Der Geesthachter fürchtet wie viele Bewohner der Siedlung schwere Schäden für Häuser und Betriebe. Gestern berichteten Biermann und Hary im Geesthachter Rathaus über eine Sitzung des Umwelt- und Agrarausschusses des Landtages, die sie am Mittwoch in Kiel besucht hatten.
Ihre Empörung war groß, denn Anfang Februar hatten sie sich mit einem "Dringenden Hilferuf" an alle 69 Abgeordneten des Landtages gewandt, in dem sie ihre Befürchtungen schilderten. Doch darauf sei Umweltminister Dr. Christian von Boetticher (CDU) in seinem Bericht mit keinem Wort eingegangen. Auch die Beschlüsse der Geesthachter Ratsversammlung und des Kreistages - beide hatten die Flutung der Elbwiesen abgelehnt - habe er nicht erwähnt, stattdessen die Position Hamburgs vertreten, so Biermann. "Uns geht es um die Besenhorster Sandberge und die Elbsandwiesen, aber der Minister sprach nur von den Borghorster Elbwiesen. Er kennt die Zustände hier vor Ort gar nicht."
Gerd Brammer, Inhaber des Unternehmens KRD-Sicherheitstechnik an der Vierlander Straße, war in Kiel ebenfalls dabei. "Schon jetzt haben wir bei Elbehochwasser nach drei Tagen mit Qualmwasser zu kämpfen, künftig wird das schon nach einem Tag auftreten, wenn das Wasser von beiden Seiten kommt", sagt er. KRD-Sicherheitstechnik ist 1994 mit 13 Mitarbeitern nach Geesthacht gezogen, heute arbeiten dort 100 Menschen. Brammer fürchtet jedoch um die Zukunft des Betriebes, sollte die Ausgleichsmaßnahme realisiert werden. Dabei gebe es andernorts Alternativen - auch nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 12. Februar entschied, dass Hamburg die Haseldorfer Marsch im Kreis Pinneberg dafür nicht nutzen darf. Gerd Brammer: "Die ReGe hat dafür auch die Hetlinger Schanze, die Seestermüher Marsch, die Wedeler Marsch und die Störmündung bei Dammducht genannt." Diese Flächen sind allerdings in Privateigentum - ein Hindernis, das es bei den Borghorster Elbwiesen nicht gibt.
"Wir werden alles tun, damit das Planfeststellungsverfahren im Juni erst gar nicht aufgenommen wird", sagte Peter Biermann. In die Hamburger ReGe (Realisierungsgesellschaft mbH) habe die BI keinerlei Vertrauen: "Die versichern zwar immer wieder, es solle für unsere Häuser keine Gefahr entstehen, aber das garantiert uns doch keiner."
Olaf Schulze, der in einer Doppelrolle als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und Landtagsabgeordneter in der Runde saß, Joachim Knüppel (FDP), Karl Hermann Rosell (CDU), Annedore Granz (Grüne) und Egon Bargisen (Linke) sahen die Möglichkeiten der Kommunalpolitik nahezu ausgeschöpft. "Die Angelegenheit wird im Land offenbar anders gesehen", meinte auch Bürgervorsteher Peter Groh zu Biermanns Bericht. Rosells Resümee: "Wenn wir was erreichen wollen, dann müssen wir in unseren Landtagsfraktionen tätig werden."


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