25.02.12

Jazz-Keller

Ein Hauch von New Orleans

Geesthacht (knm). Eine verrauchte Kneipe im Souterrain. Auf der Bühne, tief versunken, ein Mann am Klavier. Ein anderer verzieht das Gesicht, wie von Schmerzen gepeinigt, als er in sein Saxofon bläst.

An runden Tischen Gäste, die mit dem Fuß tippen und den Fingern schnippen. Das ist das Bild von einem typischen Jazz-Keller - der eigentlich eher in Szenevierteln von Großstädten zu finden ist. Doch auch in Geesthacht hält sich seit fünf Jahren ein Hauch von New Orleans.

In der Reihe "Ralf Böcker & Friends" lockt das Kleine Theater Schillerstraße (KTS) eine eingefleischte Jazz-Gemeinde drei- bis viermal im Jahr ins Studio des Hauses. "Die Reihe hat viele Stammgäste, alle eher etwas älter", erzählt Theaterleiter Ulrich Jacobi. "Ich habe festgestellt, dass der Jazz sich jungen Leuten nicht so ohne weiteres erschließt, obwohl es eine sehr authentische Musik ist."

Als Jacobi vor über zehn Jahren im KTS anfing, sei oft nach Jazz-Veranstaltungen gefragt worden. "Dann habe ich Ralf Böcker in Hamburg erlebt und war sehr beeindruckt", erinnert sich Jacobi. Er sprach den Tenorsaxofonisten auf eine Zusammenarbeit an und so war die Jazz-Reihe geboren. Wobei nicht ausschließlich klassischer Jazz gespielt wird. So tritt am Freitag, 2. März, das Trio Macchiato mit dem Programm "Orientexpress" auf. Mit "Musik aus den Kaffeehäusern dieser Welt" ist dieser Abend überschrieben. Denn die Musiker mischen orientalische mit Balkanrhythmen, Wiener Walzer mit jiddischer Musik, ein Stilmix mit vielerlei Instrumenten vorgetragen. Eintritt: 14 Euro.

Höhepunkte in den fünf Jahren waren für den Theaterleiter der Besuch von Ladi Geisler, der im November vergangenen Jahres verstorben ist. Die Jazzlegende war Gittarist bei James Last. Auch Jazz-Urgestein Günter Fuhlisch spielte bereits im KTS und füllte ohne Probleme die 60 Plätze im Studio. Ralf Böcker ist am 28. April im Studio zu erleben. Zu jedem Konzert bringt er einen befreundeten Musiker mit. "Es ist schön, dass wir mit dem Studio die Möglichkeit haben, Theaterstücke und Konzerte zu zeigen, die im großen Saal nicht funktionieren würden", sagt Jacobi. Stimmt, Jazz gehört schließlich in einen gemütlichen, schummerigen Keller.

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