Kraftwerk
CDU will neuen Speichersee
Mittwoch, 1. Februar 2012 04:00
- Von Timo Jann
Geesthacht. Die CDU auf Landes- und Bundesebene will sich für eine Erweiterung des Pumpspeicherwerks stark machen. Das erklärten gestern die Abgeordneten Markus Matthießen (Landtag) sowie Norbert Brackmann und Ingbert Liebing (beide Bundestag) bei einem Besuch.
Wie berichtet wollte der Energiekonzern Vattenfall bei der Neufassung des Flächennutzungsplans (F-Plan) der Stadt eine Fläche nördlich der Bundesstraße 5 als Erweiterungsfläche für einen zweiten Speichersee aufnehmen lassen. Mit dem Wunsch war Kraftwerksleiter Lothar Köppke allerdings gescheitert - die Politiker und die Verwaltung wollen dies erst bei konkretem Bedarf diskutieren.
Dieser Bedarf scheint jetzt da zu sein. Seit geänderte Rahmenbedingungen für die umstrittene Oberflächenwasserabgabe (OWAG) gelten, läuft das Pumpspeicherwerk am Elbufer wieder auf Hochtouren, weil der Betrieb sich dank reduzierter Gebühren wirtschaftlich rechnet. "Wir brauchen Speicher wie diesen", machte Köppke seinen Besuchern deutlich. Eine Füllung des Speichersees (3,3 Millionen Kubikmeter Wasser) reicht, um in verbrauchsarmen Zeiten 60 000 Kilowattstunden Strom zu speichern. Steigt der Bedarf, wird das Wasser in die Elbe geleitet und treibt Generatoren zur Gewinnung von Strom an.
"Wir sind eigentlich schon zu spät dran, was die Schaffung von Speicherkapazitäten angeht", berichtete Köppke. "Wenn man sieht, was man oft als Planungsphase vor sich hat, werden wir bis 2020 nicht allzu viel tatsächlich realisieren können", sagte der Kraftwerksleiter. Brackmann, Matthießen und Liebing pflichteten ihm bei. Brackmann: "Wir verlieren oft am Anfang eines Projekts zu viel Zeit. Ich denke, wir sollten das jetzt auf den Weg bringen." Er kündigte Gespräche mit der Geesthachter CDU-Fraktion an, um die Idee des Vattenfall-Konzerns zu unterstützen. An der B 5 zwischen dem Waldfriedhof und dem "Grünen Jäger" könnte auf der nördlichen Straßenseite ein zweiter Speichersee entstehen, um die Kapazitäten des Kraftwerks zu vergrößern. Unten am Elbufer würde es - anders als zur Inbetriebnahme des Kraftwerks 1958 geplant - wohl reichen, einen zusätzlichen Maschinensatz aufzubauen. Eigentlich war das Pumpspeicherwerk für sechs Sätze ausgelegt, es wurden jedoch nur drei realisiert. "Die Leistung modernen Pumpen, Turbinen und Generatoren ist heute viel höher, vermutlich würde uns da ein zusätzlicher Satz reichen", so Köppke.
"Wir müssen in Geesthacht Überzeugungsarbeit leisten, dass die Erweiterung eine gute Sache wäre", sagte Brackmann. Liebing mahnte, man müsse die Bürger beteiligen, um nicht im Planverfahren Verzögerungen durch Gerichtsprozesse zu erleben.
Matthießen berichtete vom Stand in Sachen Fischschutzmaßnahmen. "Vattenfall ist kooperativ und gewillt, bei Bedarf etwas zu tun", sagte er. Der Konzern hatte im Umwelt- und Wirtschaftsministerium vorgesprochen und mit den Behörden einen Zeitplan verabredet. Derzeit gibt es bei Naturschützern Sorgen, dass seit dem verstärkten Betrieb Elbfische leiden.


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