Bauunternehmer
Afghanische Traumhäuser in Boberg
Dienstag, 31. August 2010 04:00
- Von Thomas Schütt
Boberg. Während in seiner Heimat Afghanistan noch immer viele Häuser durch Kriegseinwirkung zerstört werden, baut Mohammad-Akbar Oriachel in seiner Wahlheimat Hamburg neue. In Boberg hat er mit seiner "Ariana Bauunternehmung GmbH" 21 Einfamilienhäuser fertiggestellt - an der Boberger Lohe und am Boberger Anger.
Gerade kommen noch einmal fünf Bauten am Boberger Anger hinzu.
Das Besondere: "Vor allem meine afghanischen Landsleute, die wegen des Krieges nach Deutschland gekommen sind, beauftragen mich mit dem Bau ihres Eigenheims", sagt der 42-Jährige nicht ohne Stolz. Er spricht beide Landessprachen, Dari und Paschtu. Außerdem weiß er um die besonderen Extras, ohne die sich ein Afghane in seinem Haus nicht wohlfühlt. So muss es eigentlich immer ein weiß gestrichenes massives Einfamilienhaus sein. "Sie werden einen Afghanen nie überreden, etwa ein Haus aus Holz zu nehmen", sagt Oriachel. Ein gutes Haus reflektiere die Sonne. "Alles Bedürfnisse, die aus unserer Tradition herrühren", weiß Oriachel.
Generell bauen Afghanen recht luxuriös, so der Unternehmer. Fußbodenheizung in allen Räumen, mindestens ein Balkon plus Terrasse, elektrische Rollläden an den Fenstern, ein mindestens 40 Quadratmeter großes Wohn- und Esszimmer, in dem alle Familienmitglieder Platz finden. Dazu hohe große Räume - und ein bewohnbarer Keller.
"Afghanische Familien sind eigentlich immer Großfamilien. Und wenn Sohn oder Tochter heiraten, sich aber vielleicht noch keine Wohnung leisten können, dann wird eben der Keller ausgebaut", sagt Oriachel. Afghanen würden sehr vorausschauend bauen lassen und betrachteten das Haus auch als Wertanlage - darin seien sie der deutschen Mentalität gar nicht fern. "Viele meiner Landsleute haben sich hier über die Jahre einiges an Vermögen geschaffen. Mancher hat auch seinen Besitz in der Heimat verkauft, das Geld in der neuen Heimat Hamburg investiert."
Aber was ist, falls die internationalen Bemühungen Erfolg haben und nach über 25 Jahren Bürgerkrieg am Hindukusch endlich Frieden einkehrt? Würden viele Afghanen zurück in ihre Heimat wollen? "Ach wissen Sie", Mohammad-Akbar Oriachel lächelt traurig, "die Hoffnung stirbt zuletzt. Im Moment sieht es aber so aus, dass Deutschland unsere neue Heimat bleibt."
Oriachel selbst kam 1988 nach Magdeburg in die ehemalige DDR. In seiner Heimat tobten damals die Kämpfe zwischen afghanischen Kommunisten und Sowjet-Armee auf der einen und den von den USA unterstützten Mudschaheddin auf der anderen Seite. Oriachel durfte, wie viele andere Afghanen auch, in der DDR studieren. Er erlebte die Wende, schloss 1993 sein Studium zum Diplom-Ingenieur mit der Note Zwei ab.
Der freundliche Mann mit den dunklen Augen zog nach Berlin, arbeitete für einen Bauunternehmer. Glücklich wurde er dort nicht. "Meine Frau war bei mir. Aber der Rest meiner Familie, die Cousins und alle anderen lebten in Hamburg", erinnert sich Oriachel. 1999 entschloss er sich zum Umzug, machte sich hier selbstständig. Auch viele Deutsche schätzen heute die Korrektheit und die Qualität der Arbeit von Mohammad-Akbar Oriachel. Er fühlt sich wohl hier. "Ich mag die Hamburger", sagt der traditionsbewusste Unternehmer.
"Sie werden einen Afghanen nie überreden, ein Haus aus Holz zu nehmen."


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