Produktionsschule
Eine neue Chance für den Berufsstart
Dienstag, 16. März 2010 02:10
- Von Thomas Voigt
Bergedorf. Die Digital-Druckerei in der Alten Holstenstraße 17 arbeitet seit mehreren Monaten, produziert mit ihrer hochmodernen Druckmaschine Merkblätter und Broschüren fürs Bezirksamt, für Schulen und Vereine.
Bald soll auch ein Laden in der Bergedorfer City seine Türen öffnen, wo dann jedermann Kaffeebecher mit dem Bergedorf-Wappen, Holzprodukte von der Gewerbeschule und andere schöne Dinge kaufen, außerdem Kaffee trinken und einen Teller Suppe oder einen Salat essen kann. Und der Online-Shop, wo man unter
www.onlineshop-bergedorf.de
Werbeartikel, Lichttechnik und Produkte der Druckerei kaufen kann, geht voraussichtlich am 30. April ans Netz. Zur Feier dieses Tages in der Bergedorfer Produktionsschule haben Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp und ein Vertreter der Hamburger Schulbehörde ihren Besuch angemeldet.
Schritt für Schritt macht sich die am 1. Oktober 2009 gegründete Produktionsschule des Beschäftigungsträgers "Sprungbrett" bei den Bergedorfer Verbrauchern bemerkbar. Verkauft, gedruckt, gekocht oder serviert wird hier von Schülern, genauer gesagt von Schulpflichtigen, die mit der regulären Schule "abgeschlossen" haben, sich an der Produktionsschule dennoch für eine Berufsausbildung qualifizieren wollen.
"Zielgruppe sind berufsschulpflichtige Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die mindestens neun Jahre lang zur Schule gegangen sind", sagt Leiterin Sabine Oertel von "Sprungbrett". Gelernt wird bei Arbeit und Produktion - 35 Stunden in der Woche unter Anleitung von je einem Werkstatt-Pädagogen in den vier Arbeitsbereichen Onlineshop, Druck & Kreativ, Verkauf und Gastronomie. Auch ein kleines Taschengeld gibt es dafür: 100 Euro für jeden Schüler, der pünktlich ist und Ordnung hält. "Wir geben den Jugendlichen, die in der Schule nicht zurechtgekommen sind, die Gelegenheit, ihre Stärken kennenzulernen und Ich-Stabilität zu entwickeln", erläutert die Produktionsschulchefin Oertel. Durch den Ansatz, marktgängige Produkte herzustellen, werden sie mit einer Verantwortung konfrontiert, die sie aus der Schule nicht kennen. Auch ein vierwöchiges Praktikum in einem Betrieb steht auf dem Plan.
Nach einem Erlass der Schulbehörde entsteht derzeit in jedem Hamburger Bezirk eine Produktionsschule mit unterschiedlichen Trägern. "Der Besuch ist freiwillig, die Verweildauer unterschiedlich", sagt Leiterin Sabine Oertel. "Sie sollte allerdings nicht länger als ein Jahr sein." Im optimalen Fall endet die Produktionsschule mit dem Start einer Ausbildung. Bei der Vermittlung ist "Sprungbrett" behilflich und unterstützt jeden Schüler mit der Erstellung eines Qualifikationsprofils, das seine Stärken benennt.
48 Plätze hat die Bergedorfer Produktionsschule, 36 sind derzeit aber erst besetzt. "Wir haben ein wenig zu spät angefangen", räumt Sabine Oertel ein, "das Schuljahr war ja schon ein paar Monate vorbei." Im Sommer hofft sie auf komplette Auslastung. Indessen ist die Einrichtung für Peter Rehfeldt, Leiter der Arge in Bergedorf, kein klassisches Instrument der Qualifikation für den Arbeitsmarkt: "Manchmal empfehlen wir Jugendliche dorthin. Für Leistungsempfänger der Arge haben wir aber klarer definierte Qualifikationsmaßnahmen. Die beruhen nicht auf Freiwilligkeit."


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