Fachhochschule
Bergedorf? Lieber richtig in die Stadt
Dienstag, 16. März 2010 02:10
- Von Cathrin Sackel
Lohbrügge. Sie sind ganz neu in Bergedorf, kommen aus allen Teilen Deutschlands hierher: Knapp 300 neue Studenten hatten gestern an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ihren allerersten Tag.
Die Erstsemester, die mit Sekt und viel Programm an der Lohbrügger Kirchstraße begrüßt wurden, werden hier Verfahrenstechnik, Biotechnologie oder Ökotrophologie studieren. Von Bergedorf haben die meisten noch nicht viel gesehen - und manch einem gefiel nicht, was er sah.
"Ich bin kurz durchgeschlendert. Klein und weniger sauber als in München", urteilt etwa Michael Feil. Der 21-Jährige aus Fischbachau, einem kleinen Ort südlich von München, wohnt seit zwei Tagen im Studentenwohnheim an der Billwiese und hat sich für diesen Studienort entschieden, weil er einfach "mal Hamburg kennenlernen wollte". Die Hamburger Innenstadt gefalle ihm aber sehr gut.
Auch die Begeisterung seiner Kommilitonen für Bergedorf ist eher mäßig. "Ich komme schon aus einem Dorf; da will ich doch jetzt lieber in eine richtige Stadt. Irgendwohin, wo auch etwas los ist", sagt Michael Fox (23) aus Herzhorn bei Glückstadt. Der angehende Medizintechniker stört sich zudem an den zahlreichen Baustellen im Bezirk.
Heute erkunden die "Ersties" auf einer Rallye spielerisch ihre neue Heimat. Aber nicht durch Bergedorf geht es, sondern Hamburgs Sehenswürdigkeiten werden entdeckt. "Eine Station haben wir hier aber auch, glaube ich", sagt Tutor Sebastian Standl. Bergedorfer Schloss? Rathaus? Sachsentor? Serrahn? Fehlanzeige.
So bleibt wohl auch in Zukunft der Weg vom Bahnhof zu der HAW an der Lohbrügger Kirchstraße der einzige Teil Bergedorfs, den die Studenten kennen. Und der ist nicht eben repräsentativ: "Viele Spielhallen sind mir auf dem Weg aufgefallen", sagt etwa Yvonne Siebken. Die 23-Jährige pendelt noch zwischen Bargfeld-Stegen in Schleswig-Holstein und Bergedorf. Der Bezirk hat für sie einen ganz einfachen Nachteil: "Bergedorf ist mir zu weit weg von zu Hause." Sie wird deshalb eine Wohnung in Hamburgs Innenstadt suchen.
Auch Christine Stollhofer wohnt lieber in Hamburg-Hamm. Dabei fällt ihr Urteil über Bergedorf vergleichsweise milde aus: "Es ist nicht ganz so abgelegen und kaffig wie ich dachte." Zumindest ihre neue Universität hat es der 21-jährigen Ökotrophologie-Studentin angetan: Wie viele Studenten lobt sie die Ausstattung der Hörsäle und das Kursusangebot. "Und ich mag das Industriedesign. Modefotos könnte man hier gut machen - dazu hätte ich Lust."
"Ich komme aus einem Dorf, da will ich jetzt lieber dahin, wo richtig was los ist."


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