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Wenn Eltern ratlos sind

Lohbrügge (stri). Sie sind aggressiv, wollen ständig im Mittelpunkt stehen, lassen sich nichts sagen oder können nicht gut einschlafen: Mit solchen Sorgen über ihren Nachwuchs kommen viele Eltern in die Bergedorfer Beratungsstelle des Vereins "Erziehungs- und Selbsthilfe" (EuS):
"Die Problemkinder werden immer jünger, manch verunsicherte Mutter ist schon bei Zwei- und Dreijährigen beunruhigt und bittet um Ratschläge", sagt Irmgard Kollmann. Die 64-jährige Diplom-Soziologin ist versiert, schließlich bildet sie an der Harburger Fachschule Erzieher und Lehrer aus.
"Das hier ist meine praktische Verbindung zur Theorie", sagt Kollmann, die dem Verein vorsteht. Er ist gerade umgezogen, bietet nun seit Anfang März Beratungen an der Riehlstraße an - gleich neben den Tagesmüttern der Kirchengemeinde. Die wiederum sind neugierig auf das neue Lehrbuch der Soziologin, Titel "Frühpädagogik: Arbeiten mit Kindern von 0-3 Jahren".
Aus einer Elterninitiative eines Kinderladens entstand 1978 der gemeinnützige Verein EuS: "Damals gab es in Bergedorf nichts anderes als die staatliche Erziehungsberatungsstelle. Und viele waren skeptisch, wo die Akten wohl landen würden", sagt Kollmann, die Anfang er 80er-Jahre zu den Psychologen und Pädagogen stieß: "Wir waren immer eine kleine Gruppe mit hoher Fluktuation. Das liegt daran, dass jeder noch einen hauptamtlichen Beruf hat." Allein von den Beratungen des Vereins lasse sich nicht leben: Das Honorar liegt durchschnittlich bei 20 bis 60 Euro pro Stunde - mindestens ein Prozent vom Bruttogehalt des Hilfesuchenden.
Nicht nur Kinder, auch Jugendliche bereiten ihren Eltern Kopfschmerzen - und überraschen selbst die Berater. Denn nicht nur die üblichen Pubertäts-Probleme samt vorwurfsvoller Streitgespräche werden angetragen, sondern neuerdings auch die Sorge um zurückhaltende Jugendliche: "Da kriegen 15-Jährige schlechte Noten, weil sie sich in der Schule nicht oft melden. Prompt werden sie von den Eltern zu uns geschickt", sagt Kollmann.
Und die Probleme wachsen mit: Seit etwa acht Jahren bietet der Verein auch kostengünstige Paar-Beratungen an. Sie werden gern von 30- bis 50-Jährigen wahrgenommen. Wenn sich der einst geliebte "Fels in der Brandung" nach zehn Ehejahren als Langweiler entpuppt, stimmt oft die Kommunikation nicht.
Was Mann und Frau noch aneinander mögen, stellt sich oft erst nach einigen Beratungsterminen heraus - oder die Trennung ist unausweichlich. Selten ist das nicht: "In Deutschland wird jede dritte Ehe geschieden, in Großstädten sogar jede zweite", sagt Irmgard Kollmann, die jährlich etwa 30 Klienten berät.
Erreichbar ist der Verein an der Riehlstraße 64 unter der Telefonnummer (040) 721 54 88.
"Schon Mütter von Zwei- bis Dreijährigen bitten uns um Ratschläge."
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