Verbraucher
Prost! Die Dose wird 75 Jahre alt
Samstag, 23. Januar 2010 04:00
- Von Thomas Voigt
In den USA kam sie 1935 auf den Markt. Heute ist sie auch in Bergedorf zum Nischenprodukt geworden.
Klack und zisch!! - die Getränkedose feiert am Sonntag ihren 75. Geburtstag. Am 24. Januar 1935 hatte das erste Dosenbier Weltpremiere: "Krueger's Beer" kam erstmals in einer zylindrischen Weißblechdose in Richmond (US-Staat Virginia) auf den Markt, und die wurde noch im selben Jahr 200 Millionen Mal verkauft. Wer damals Krueger's Beer aus der Dose trinken wollte, brauchte allerdings Muskeln: Die "Urdose" wog mit rund 100 Gramm fünfmal so viel wie heute und musste mit einem separaten "Dolch" aufgestochen werden.
Seither hat sich einiges getan. Die Getränkedose ist heute ein Leichtgewicht, deren Lebensweg durch stetige Entwicklungen geprägt wurde. Der deutsche Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca - heute Ball Packaging Europe in Ratingen bei Düsseldorf - war von Anfang an dabei, als es darum ging, an Verbesserungen der Dose zu tüfteln. Die erste Bierdose des Unternehmens, eine dreiteilige Flaschendose mit Kronkorkenverschluss, konnte sich wegen zu aufwändiger Produktion jedoch nicht durchsetzen. Anders die dreiteilige Schwarzblechdose, mit der Schmalbach-Lubeca 1951 die Produktion nach den Kriegsjahren wieder aufnahm. Einfacher gestaltet, aus Boden, Korpus und Deckel bestehend, wog diese nunmehr 83 Gramm und war die erste Bierdose, die in Deutschland auf den Markt kam. "Einfacher Leben - mit Bier aus Dosen" lautete der Slogan, mit dem die Henninger Brauerei für ihr Produkt warb.
Damit begann der Siegeszug der Getränkedose in Deutschland: Cola, Selter, Eistee, Wodka-Lemon - in den folgenden Jahrzehnten gab es immer mehr Getränke in Dosen, und mit der Einführung des Dualen Systems Anfang der 90er-Jahre war auch das Öko-Gewissen deutscher Dosen-Fans besänftigt. Zwischen 1991 und 2001 stieg die Menge der in Dosen verkauften Getränke von gut zwei Milliarden auf mehr als drei Milliarden Liter im Jahr.
Zu ihrem 75. Geburtstag aber ist die Getränkedose in Deutschland schwer angeschlagen. "Bier und Cola in Dosen? Das führen wir gar nicht", bedauert eine Kassiererin bei Kaufland in Bergedorf. Und auch beim Getränkecenter von Marktkauf gibt es auf Anfrage nur ein mitleidiges Achselzucken. Fehlanzeige auch bei den großen Discountern: Getränkedosen sucht man hier vergeblich im Regal. Nur in wenigen Supermärkten und Lebensmittelgeschäften und an den meisten Tankstellen ist sie noch zu haben, die knallrote Cola- oder die goldfarbene Holsten-Dose.
Die Einführung des Einwegpfands im Jahr 2003 hat die Dose kalt erwischt. "Da hatten wir einen Umsatz-Einbruch von 90 Prozent", sagt Ball Packaging-Sprecherin Sylvia Blömker. "Wir konnten das aber mit europäischen Wachstumsmärkten rund um Deutschland, besonders in Polen, kompensieren." Die Reform des Einwegpfandgesetzes mit Einführung eines einheitlichen Rücknahmesystems im Jahr 2006 nützte der deutschen Dose wenig. "Die Handelsketten entschieden sich überwiegend für die PET-Flasche und verbannten die Dose aus ihren Regalen", schildert Norbert Völl vom Dualen System Deutschland. "Denn wer auch nur ein einziges Dosengetränk anbietet, muss leere Dosen aller Marken gegen Pfand annehmen."
Dabei ist die Getränkedose gar nicht so umweltschädlich wie ihr Ruf. "Die Rücklaufquote lag schon vor dem Einwegpfand bei 80 Prozent, danach stieg sie auf 90 Prozent", sagt Sylvia Blömker. Und Norbert Völl unterstreicht die hohe Attraktivität der Wellblech- oder Aludosen auf dem Rohstoffmarkt: "Da wird hart geschachert und jede Dose verwertet."
Aral-Pächter Sascha Radtke am Curslacker Neuen Deich hat eine leise Renaissance ausgemacht: "Die Verbraucher kehren langsam von der Mehrwegflasche zur Dose zurück." Sylvia Blömker bestätigt: "Der Umsatz wächst zweistellig - allerdings auf unterem Niveau."
"Die Handelsketten haben die Dose aus ihren Regalen verbannt."


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