Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/printarchiv/bergedorf/article54802/Drei_Jungs_mit_Flirtfaktor.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Drei Jungs mit Flirtfaktor

Lohbrügge. Das Leben könnte so einfach sein, zumindest das Sexualleben. Wer etwa morgen Abend mit einem Bergedorfer Kerl ausgehen will, der ein Brustwarzen-Piercing hat und eine tätowierte Glatze - der muss lediglich die neue Internetplattform www.obenunten.de besuchen und sich einen Typen aussuchen.
Vorausgesetzt natürlich, es haben sich schon reichlich User gemeldet, denn die Plattform ist erst seit drei Tagen im Netz.
Die Idee einer kostenlosen Single-Community "mit reichlich Humor und Erotik" hatten Grafiker Ken Zacharias (35) und Programmierer Bernd Robertz (29) vor knapp zwei Jahren: "Wir wollten keine spießige Partnerschaftsbörse, sondern einen Ein-Stellungswechsel. Deshalb ist alles bei uns irgendwie zweideutig", sagen die Geschäftsleute, die in einem Keller-Büro an der Lohbrügger Landstraße 112 sitzen und für Mitte nächsten Jahres "mindestens eine Million User" erhoffen.
Die wiederum konkurrieren um ein tolles "Foto-Voting" (die schönste Frau im Land) und ersehnen sich einen hohen Flirtfaktor. Der lässt sich durch freiwillige Angaben zu Details steigern: Neben Alter, Geschlecht und Postleitzahl ist der Familienstatus wichtig, zum Beispiel "vergeben", "verlobt" oder gar "verbannt". Ob es platinblonde oder "haselnussbraune Haare" sind, darf ebenso verraten werden wie die Kontaktlinsen, die Körbchengröße oder transsexuelle Vorlieben.
Da lässt sich doch ahnen, dass das Geschäft, das mit einer Start-Investition von "mehr als 100 000 Euro" betrieben wird, bald gigantisch florieren wird: "Schließlich sprechen wir fast alle Alters- und Berufsgruppen an", sind die obenunten-Macher überzeugt.
Also längst nicht nur die Freundinnen, die mit zwei flotten Kerlen ins Ohnsorg-Theater gehen wollen, zählen zur Zielgruppe. Weitere Angebote sollen folgen, etwa ein Netzwerk zur Nebenjob-Suche, persönliche Video-Botschaften oder auch ein Kleinanzeigen-Markt: Falls der Verkäufer des alten Klapp-Fahrrades halbwegs rostfrei aussieht, könnte man ja auch mal. . .
Nicht zuletzt sind pragmatische und lebenstaugliche Angebote angedacht, etwa eine verknüpfte Mitfahrgelegenheit nach München: "Wenn das Ding mit der bayerischen Frau da floppt, können wir auch gleich günstige Übernachtungsmöglichkeiten etwa in Hotels anbieten", meint Bernd Robertz. Er hat außerdem ein Angebot für Schüchterne programmiert: "Wer eine hohe Hemmschwelle hat, weil die Frau eigentlich viel zu gut aussieht, kann sie erstmal nur auf seine Favoritenliste setzen." Leuchtet dann später ein rotes Herzchen auf dem Bildschirm, heißt es plötzlich: "Da geht was." Und wer sich jetzt überwindet und unumstößlich sicher fühlt, klickt auf der PC-Oberfläche "als Freund zufügen" an.
Aber nicht auf ewig versteht sich die neue Plattform als reiner Freundschaftsdienst: "Wir wollen auch Werbeplätze verkaufen", sagen Zacharias und Robertz. Sie wollen zeitgleich einen Online-Shop anbieten, um Tassen mit dem Firmen-Logo, T-Shirts und sicher diversem Zubehör zu verkaufen.

nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008