02.12.08

Theater

Nacktes Chaos auf der Bühne

Bergedorf. Nur wenige Bühnen hatten Michael Frayns Komödie "Der nackte Wahnsinn" noch nicht auf ihrem Spielplan. Gilt das Stück doch als das beste des englischen Dramatikers. Entsprechend groß war die Erwartung, mit der man der Inszenierung von Manfred Langner im Haus im Park entgegen sah. Nicht alle Zuschauer sahen die ihre erfüllt. Von Holmer Stahncke

In der Pause machten sich einige bereits auf den Heimweg.

Sie hatten zu früh aufgegeben. Der erste Akt war nicht mehr als eine Einführung in die Thematik. Die eigentliche Komödie, die im blanken Chaos endete, entwickelte sich erst später. Hatte man anfangs die misslungene Generalprobe einer drittklassigen Boulevard-Komödie miterlebt, war man im zweiten Akt Zeuge, wie sich das Ensemble etliche Aufführungen später hinter den Kulissen befehdete. Fatalerweise hatten sich im Laufe der Tournee wechselnde Liebesbeziehungen mit entsprechenden Eifersüchteleien entwickelt. Grund genug, den Kollegen ein Bein zu stellen und deren Auftritt zu vermasseln. Im dritten Akt sah man das ganze dann noch einmal vor den Kulissen auf der Bühne. Text und Handlung waren alles andere als deckungsgleich. Darüber konnte man lachen.

Die Boulevard-Komödie ist eine Kunstform, deren Gelingen nicht nur vom Witz der Schauspieler abhängt, sondern auch von der Präzision und vom Timing der Inszenierung. Nun standen in Bergedorf Renan Demirkan, Axel Weidemann, Marcus Born und andere gestandene Schauspieler auf der Bühne. Dirk Waanders, der den Regisseur spielte, ist ein gestandener Recke des Boulevardtheaters. Dennoch blieb bei aller Solidität ihres Spiels ein leichtes Unbehagen nach, das sich auch im "endenwollenden Beifall" äußerte. Hätten sie die Schraube doch ruhig etwas überdreht und anstelle eines Boulevardstücks die Parodie eines Boulevardstücks gespielt. In einer englischen Farce darf man dem Gaul ruhig etwas mehr Zucker geben. Monty Python, Mr. Bean und andere haben es doch vorgemacht.

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