Soziales
Viele Ideen für die Familienhilfe
Donnerstag, 16. Juli 2009 03:26
- Von Anne K. Strickstrock
Neun Jugendhilfe-Träger haben elf Bewerbungen eingereicht: Es geht um 318 000 Euro.
Sie kämpften, als ginge es um die Kronjuwelen: Neun Träger haben insgesamt elf Bewerbungen eingereicht, um in Bergedorf Angebote der Familienhilfe zu unterbreiten. Das Bezirksamt hatte zum Interessenbekundungsverfahren aufgerufen, will die jährlich zu vergebenden 318 000 Euro neu ausschreiben. "Laut Antragslage stehen dem jetzt aber 620 000 Euro gegenüber", sagte Sozialraummanager Sven Dahlgaard, der alle Bewerber ins Lichtwarkhaus eingeladen hatte, damit sie ihre Konzepte dem Jugendhilfe-Ausschuss vorstellen.
Ziel ist es, Angebote zu schaffen, die die teuren Hilfen zur Erziehung (HzE) vermeiden: Probleme sollen möglichst im Vorfeld angegangen und ausgeräumt werden. "Wir konnten im vergangenen Jahr 17 HzE-Fälle abwenden, in diesem Jahr sind es schon elf", sagte Michael Kolle (MiKo), der für sein Projekt "Reaktiv" warb, eine Familienberatung in Lohbrügge, die jährlich 63 000 Euro kostet. Mit einem Projekt namens "Catch him" möchte die "Gesellschaft für Soziales" Schulverweigerern auf die Schliche kommen: "Wir bieten Hilfsangebote für Lehrer, um einen besseren Zugang zu den Eltern zu finden", sagte der pädagogische Leiter Frank Zimmermann. Er denkt dabei allerdings nur an die ersten sechs Grundschulklassen: Prävention stehe im Vordergrund.
Lernbegleitung und Einzelförderung hat auch "Sprungbrett" im Sinn: Sein seit April 2007 bestehendes Projekt "Integration durch Bildung" soll künftig auf Lohbrügge ausgeweitet werden, auch die Schüler vom Richard-Linde-Weg, der Schule Sander Straße und der Förderschule an der Billwerder Straße einbeziehen.
Ebenfalls in Lohbrügge will sich die Pestalozzi-Stiftung etablieren: Ihr "Familienaktivierungsteam" ist schon in Bergedorf-West erfolgreich, will künftig auch in Lohbrügge und im Bergedorfer Kerngebiet Krisenintervention anbieten. An der Bergedorfer Straße soll zudem ein Treffpunkt für Familienberatung entstehen, im Büro der dort ansässigen "Familienhelden". Sie erhoffen dafür einen jährlichen Zuschuss von 24 000 Euro.
Auch in Neuallermöhe sind Projekte geplant: Der Internationale Bund will seine Einzelfallhilfen künftig auch im Westen des Stadtteils anbieten, "mittendrin" wiederum die frühkindliche Entwicklungsförderung stärken. Zudem will ein neu gegründeter Jugendhilfe-Träger starten: "Max und Moritz" will an drei Tagen bei Problemen beraten, an weiteren zwei Tagen Ausflüge mit Jugendlichen unternehmen, auch Coolness- und Antiaggressions-Trainings anbieten.
Nicht zuletzt wartet auch das Landgebiet mit einem neuen Projekt auf: "Mobelan", also mobile Beratungsangebote im Landgebiet, sollen 4929 Jugendlichen dienen, die - im größten Abstand - 36 Kilometer auseinander wohnen. "Es sollen Gruppenangebote gegen Drogen und Gewalt sein", erläutere SCVM-Geschäftsführer Martin Füllenbach den Ausschuss-Mitgliedern seinen Antrag über knapp 34 000 Euro.
Die Jugendpolitiker müssen nun in der Sommerpause über den Ideen-Strauß beraten. In einer Sondersitzung am 1. September wollen sie über die Vergabe der 318 000 Euro entscheiden.
Ideen sind teuer: "Laut Antragslage müssten wir fast doppelt soviel Geld haben."
Sozialraummanager Sven Dahlgaard


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