Street View
Google fotografiert in Bergedorf
Mittwoch, 15. Juli 2009 02:18
- Von Kim Nadine Meyer
Bergedorf. Sie erinnern an das Periskop eines U-Boots, mit dem die Besatzung die Wasseroberfläche per 360-Grad-Blick überschauen kann. Und allzu weit weg von dieser Assoziation sind die schwarzen Kameras, die sich derzeit an vielen Orten auf dunklen Autos an etwa zweieinhalb Meter hohen Masten gen Himmel recken, gar nicht.
Auch sie haben den Rundum-Blick, tauchen - ähnlich einem U-Boot - ohne Vorankündigung auf. Aber sie schießen nicht scharf, nur Fotos - und zwar alle zehn Meter.
Im Auftrag des Internetgiganten Google rollen Kamera-Autos derzeit über Deutschlands Straßen und machen Aufnahmen für das Angebot Street View. Integriert in die Funktion Google Maps können mit Street View Straßen künftig nicht nur auf dem Plan gefunden, sondern auch aus Passantenperspektive angeschaut werden.
Am Montag gegen 10 Uhr konnte ein aufmerksamer Anwohner das erste Mal ein Fahrzeug in Bergedorf ablichten. Der schwarze Opel Astra kam auf dem Weidenbaumsweg aus Richtung Nettelnburg und überquerte die Kreuzung Sander Damm in Richtung Bergedorf Zentrum. Axel Werner kam gerade aus dem Fitness-Studio und war auf dem Weg in seine Wohnung am Weidenbaumsweg, als er das Fahrzeug bemerkte.
"Ich hatte in der Zeitung bereits Bilder von diesen Autos gesehen", berichtet der Bergedorfer. "Meine Kamera habe ich immer dabei, weil ich gern und viel fotografiere. So habe ich schnell auf den Auslöser gedrückt." Der Gedanke, dass Fotos von seinem Zuhause und möglicherweise sogar von ihm selbst jetzt bald online zu finden sind, lässt in Axel Werners Magen ein mulmiges Gefühl zurück. "Was mich vor allem stört, ist die Systematik der Vorgehensweise", sagt der freiberufliche Meteorologe. Alles werde dadurch bei Google Street View gezielt findbar. Das sei ein wesentlicher Unterschied zu Portalen wie etwa YouTube. "Street View bietet damit etwa Dieben die Möglichkeit, online Gegenden auszukundschaften." Und das ist nach Ansicht von Werner noch das geringste Problem. "Was, wenn Personalchefs künftig anfangen, sich anzuschauen, in was für Häusern ihre Bewerber wohnen?" Gleiches gelte für Versandhäuser, die so dezidierte Kundenprofile erstellen könnten. Das würde Stereotypen und Vorurteilen gehörig Vorschub leisten.
Werner ist mit seiner Street-View-Kritik in bester Gesellschaft. Bereits vor den Kamerafahrten in Deutschland hatten Datenschützer rechtliche Bedenken geäußert. Google drohte ein Stopp für die Aufnahmen. Mitte Juni akzeptierte der Internetkonzern deshalb die Forderungen des Hamburgischen Datenschutzexperten Johannes Caspar. Bei allen Aufnahmen werden Gesichter von Passanten Autonummernschilder oder Hausnummern durch Weichzeichnung unkenntlich gemacht. Wenn Betroffene Widerspruch einlegen, geschieht dies auch bei den Rohdaten. Bis zum Kompromiss gab es die Befürchtung, dass Google die Rohdaten in die USA schickt und in anderen Zusammenhängen verwenden könnte.
Die Kritik von Werner wird damit nicht entkräftet - denn hat man die Adresse einer Person, kann man sich künftig online ihren Wohnort anschauen.
* Für Einsprüche gegen Aufnahmen oder weitere Infos E-Mail an
streetview-deutschland @google.com.


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