Lokalpolitik
Front gegen Pannenreaktor wird immer breiter
Montag, 6. Juli 2009 02:18
Bergedorf (he). Vor zehn Tagen hatten sich Politiker von GAL, Linken und SPD auf der einen, der CDU auf der anderen Seite noch harsche Diskussionen ums Atomkraftwerk Krümmel geliefert. An einem Antrag von GAL und Linken hatte sich in der Bezirksversammlung die Diskussion entzündet.
Auf die Forderung, "Krümmel darf nicht wieder in Betrieb gehen", reagierten Christdemokraten mit dem Vorwurf, die Antragsteller würden Panikmache betreiben. Die jedoch sehen sich durch die jüngsten Ereignisse voll bestätigt: "Zwei Zwischenfälle innerhalb von vier Tagen - es reicht", sagte Lutz Jobs (Die Linke) gestern: "Der Reaktor muss stillgelegt werden."
Während der Bezirksversammlung war Jobs' Geduld auf eine harte Probe gestellt worden: Sven Noetzel, Ingenieur und baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, hatte den Antragstellern nicht nur vorgeworfen, Angst verbreiten zu wollen. Er zog in Zweifel, dass es in Krümmel Probleme mit nicht zugelassenen Dübeln und Schrauben gegeben hat, "das war in Brunsbüttel".
Das hatte Werner Omniczynski nicht im Raum stehen lassen wollen. Genüsslich zitierte der SPD-Fraktionschef aus Berichten der Kieler Landesregierung. Allein die CDU stimmte schließlich gegen den Antrag. Rüdiger-Horst Bambach, bekennender Atomkraftbefürworter, hatte dem AKW Krümmel zuvor die politische
Atomkraftbefürworter rücken inzwischen vom AKW Krümmel ab
Unterstützung versagt: Angesichts der Pannenserie befand der FDP-Bezirksabgeordnete, dass Krümmel den Bürgern nicht mehr zuzumuten sei.
Jobs, in den 80er- und 90er-Jahren einer der Motoren der Anti-Atomkraftbewegung in Bergedorf, hatte sich mit einer Mischung aus Verärgerung und Belustigung Noetzels Rede angehört. Durch die jüngsten Ereignisse sieht sich der frühere GAL-Bürgerschaftsabgeordnete voll bestätigt. Kein Atomkraftwerk laufe reibungslos, im Vergleich träten in Krümmel jedoch besonders viele Störfälle auf: "Rätselhafte Risse in Armaturen und schadhafte Dübel, nun sogar eine Schnellabschaltung aufgrund eines Transformatorfehlers - aber die Technik ist nur eine Seite des Problems." Am 2. Juli hatte ein Mitarbeiter irrtümlich ein Notventil geschlossen, damit den vorerst vorletzten Störfall ausgelöst.
Das endgültige Aus für Krümmel fordert auch Manuel Sarrazin, Grüner Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Bergedorf-Harburg. Das Verhalten des Stromkonzerns sei nicht länger hinnehmbar: "Vattenfall stellt seine wirtschaftlichen Interessen vor die Sicherheit der Bevölkerung. Der einzige ersichtliche Grund für die mangelhafte Informationspolitik ist, dass Vattenfall den wahren Zustand seines Pannenreaktors bis heute zu verheimlichen versucht."


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