Westibül läuft Zeit davon
Kooperation: Kirche wartet auf Ansagen der Stadt
Freitag, 2. Dezember 2011 04:00
- Von André Herbst
Bergedorf-West. Dem Stadtteiltreff Westibül läuft die Zeit davon. Gelingt es nicht bald, den gordischen Knoten zu durchschlagen, drohen im kommenden Sommer neben vielen Senioren, die das beliebte Haus als Treff nutzen, gut 30 Gruppen und Initiativen auf der Straße zu stehen. Gespräche mit der evangelischen Kirche über ein Zusammengehen treten seit Monaten auf der Stelle.
"Wir sind in Warteposition. Aber ohne klare Aussagen der Stadt, was gewollt und wie viel Miete dafür gezahlt wird, können wir keine Planer für einen Ausbau beauftragen", sagt Pastor Thomas Hess.
Der Kirchenvorstand stehe weiter zur Idee, mit dem Westibül zusammenzurücken. Eine Idee ist, eine Baulücke zwischen Haus Christo und der Kirche zu schließen. In zwei Geschossen könnten dort deutlich über 100 Quadratmeter entstehen, möglicherweise auch die gewünschte Küche. "Wir wollen unsere Kirche zum zentralen Werner-Neben-Platz öffnen. Zunächst muss jedoch das 40 Jahre alte Dach saniert werden."
Mit den notwendigen Renovierungsarbeiten könne die Kirche nicht länger warten. Hess: "Es geschieht nichts, was man nicht rückgängig machen könnte. Aber wir haben auch deutlich gesagt, dass wir bis Dezember eine Entscheidung brauchen."
Da passt es nicht so recht ins Bild, dass ein vom Bezirksamt beauftragter Moderator erst diesen Monat die Ergebnisse seiner Bemühungen vorlegen soll, bedauert neben Hess auch Arge-Sprecher Fritz Manke. Als geradezu kurios empfindet der Sozialdemokrat angesichts des Zeitrahmens die Forderung, die der Arge mit dem jüngsten Zuwendungsbescheid zugesandt wurde. "Wir sollen unseren Mietvertrag für das Westibül im Februar kündigen, er würde dann im August 2012 enden."
Bis dahin wäre, läuft jetzt wider Erwarten alles glatt, bestenfalls die Planung für eine Haus-Christo-Erweiterung fertig, vielleicht nach der Baugenehmigung der Grundstein gelegt.
In der Arge Bergedorf-West gibt es weiterhin Stimmen, die trotz gut jährlich 50 000 Euro Mietkosten im EKZ am angestammten Standort und gut 400 Quadratmetern Nutzfläche festhalten wollen. "Es gibt Wünsche, die unerfüllbar sind", warnt Sven Noetzel, zweiter Vorsitzender der Arge. Wie Sozialdemokrat Manke setzt Christdemokrat Noetzel große Hoffnungen darauf, dass der Vermieter verringerte Mietzahlungen akzeptiert, dem Westibül einen Aufschub bis 2013 oder 2014 gewährt. Das Kalkül: Der Bruder eines SPD-Bürgerschaftsabgeordneten werde ohne Not keinem Stadtteiltreff die Tür weisen.
Manke sieht noch eine Option zu der in der Arge nicht unumstrittenen Zusammenarbeit mit der Kirche. "Weil das Rote Kreuz auf der Kirchenfläche zu wenig Platz für ein Pflegezentrum mit Kurzzeitpflege und betreutem Wohnen hat, plant das DRK jetzt am Oberen Landweg." Entstehe neben dem HdJ Heckaten ein soziales Zentrum und fänden alle Westibül-Nutzer Platz, könne dies eine Alternative sein. Schönheitsfehler: Zentral wie am Werner-Neben-Platz wäre diese Lösung nicht.


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