Begabtenförderung
Talentsuche beginnt im Kindergarten
Freitag, 13. August 2010 16:19
- Von Maja Bienwald
Lauenburg. Während die Schulkinder noch die verbleibenden Tage der Sommerferien genießen, schwitzen ihre Lehrer bereits an der Unterrichtsvorbereitung für das kommende Schuljahr.

Foto: Maja Bienwald
Melanie Matthießen, Susanne Werger-von Bergen, Ute Pirsch und Andrea Milewski (von links) leiten das Projekt.
Mehrere Fortbildungstage für sich selbst und ihre Mitarbeiterinnen Lehrerin Ute Pirsch und Erzieherin Melanie Matthießen müssen Schulrektorin Susanne Werger-von Bergen und Kindergartenleiterin Andrea Milewski einkalkulieren.

Foto: bz
Weingarten Schulleiterin Susanne Werger-von Bergen: „Das Projekt soll ausdrücklich nicht als Hochbegabtenförderung verstanden werden.“
Die vier Pädagoginnen lassen sich von September an zu Experten in Begabungsförderung weiterbilden – mit Hilfe finanzieller Förderung aus der Karg-Stiftung. Diese hat es sich seit zwanzig Jahren zum Ziel gesetzt, Begabungen und Talente in Schleswig-Holstein zu unterstützen.
Indem Lehrer und Erzieher zu sogenannten „Tandems“ aus Schule und Kindergarten werden und ihr neu erworbenes Wissen als Multiplikatoren weitergeben, entstehen nun „Kompetenzzentren zur Begabungsförderung“.
Als einer von sechs Standorten in Schleswig-Holstein kümmern sich die Pädagogen in Lauenburg somit künftig noch mehr um die individuelle Förderung der Grundschüler und der Kita-Kinder. Arbeitsweisen, Methodentraining und die Kooperation beider Einrichtungen stehen dabei im Vordergrund. Dabei soll das gefördert werden, was Experten als „inklusive Bildung“ verstehen: Alle Kinder vom Lernbehinderten bis zum Hochbegabten in einer Lerngruppe.
Als elitäre Hochbegabtenförderung möchte Rektorin Werger-von Bergen das Projekt deshalb auch ausdrücklich nicht verstanden wissen. „In einer kleinen Stadt sind Hochbegabte prozentual nun einmal nicht gehäuft vorhanden, also wird unser Schwerpunkt die Förderung der Begabung jedes Einzelnen sein.“
Einig sind sich die beiden Tandems Milewski/Pirsch und Matthießen/Werger-von Bergen in der Freude über die Förderungszusage – auch Nachbar Büchen hatte sich beworben und ist nach der Absage „enttäuscht“.
„Die Begründung aus Kiel lässt mehr Fragen offen als sie beantwortet“, sagt Bürgermeister Uwe Möller. Die offizielle Begründung für die Wahl Lauenburgs sei, Kiel wolle in die Fläche gehen.
„Lauenburgs Randlage darf schließlich nicht zu Benachteiligungen führen“, ist sich Werger- von Bergen mit Matthießen sicher. Auch Matthießens Ehemann und Landtagsabgeordneter Markus Matthießen (CDU) freut sich: „Über Jahrzehnte sind in Schleswig-Holstein aus ideologischen Gründen Tausende Hochbegabter nicht richtig gefördert worden. Die meisten wurden überhaupt nicht erkannt.“ Die Gesellschaft könne aber nicht auf die Begabungen verzichten.
Am Donnerstag, 16.September, treffen die Tandems in der Auftaktveranstaltung erstmals auf Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP), danach geht es an die Arbeit: „Es wäre schade , wenn Begabungen verkümmern“, meint Ute Pirsch.
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