Betrug
Panik, wenn das Telefon klingelt
Sonntag, 28. Februar 2010 21:02
- Von Elke Richel
Lauenburg. Eigentlich ist Christine Z. (Name geändert) nicht besonders ängstlich. Doch seit etwa drei Wochen zuckt die 43-jährige Lauenburgerin jedes Mal zusammen, wenn das Telefon klingelt.

Foto: dpa
Das Telefon ist oft der verlängerte Arm des Werbetyranns.
„Alles fing eigentlich harmlos an. Es klingelte und wenn ich den Hörer abhob, lief eine Bandansage und gratulierte mir zu einem Gewinn“, so die alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Jungen. Was sie angeblich gewonnen hatte, erfuhr sie nicht, denn ehe die blecherne Stimme dies preisgab, legte sie jedes Mal auf. Meist erfolgten diese Anrufe tagsüber, oft aber auch mitten in der Nacht.
„Das alles war aber nichts dagegen, was dann kam“, erzählt sie leise. Es war an einem Montag. Ein Mann war am Apparat und kam ziemlich schnell zur Sache: „Er sagte, ich hätte an einem Gewinnspiel teilgenommen. Seine Firma hätte mich deshalb in einer Liste und ob ich das kündigen möchte.“ Christine wusste sofort, dass sie selbst nie an einem Gewinnspiel teilgenommen hat. „Ich war mir aber nicht sicher, ob das vielleicht mein Ex-Mann war. Deshalb sagte ich, dass ich das auf jeden Fall kündigen will“, bereut sie heute. Das wäre überhaupt kein Problem, sagte der Mann, er müsse nur noch ihre Daten abgleichen. „Ich sollte ihm zum Vergleich meine Bankverbindung sagen, dann wäre die Sache erledigt. „Ich sagte ihm, dass ich auf keinen Fall am Telefon meine Bankdaten nennen würde und dass er bitte nie mehr anrufen soll.“
Den Gefallen tat ihr der dubiose Anrufer nicht. Sofort nachdem Christine den Hörer auflegte, klingelte es wieder. Diesmal war der Ton weniger freundlich: „Wir können auch anders, Frau Z. Sie haben einen Vertrag mit uns abgeschlossen und wir bestehen auf Erfüllung. Wenn sie mir ihre Bankdaten nicht bestätigen, beginnen wir morgen mit der Abbuchung von 55 Euro monatlich“, drohte er.
Seitdem bekommt Christine Z. mehrmals in der Woche solche Anrufe. „Ich habe schon Panik, wenn das Telefon klingelt“, gesteht sie. Ihre Kontoauszüge kontrolliert sie seitdem genau. „Bis jetzt ist alles in Ordnung, aber ich habe Angst, dass die wirklich meine Bankdaten kennen.“
Diese Befürchtung ist nicht ganz unbegründet. „Uns sind die Fälle bekannt, in denen von Konten der betroffenen Verbraucher abgebucht wurde, obwohl diese unmissverständlich jegliche Teilnahme an einem Glücksspiel ablehnten“, so Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
Im Dunkeln blieb bislang, woher die Daten stammen. Der Verbraucherschützer rät daher: „Bei der Preisgabe der privaten Kontoverbindung sollte man absolut zurückhaltend sein. Mindestens alle zwei Wochen sollten die eigenen Kontoauszüge kontrolliert werden, ob unberechtigte Abbuchungen vorgenommen wurden; diesen muss umgehend bei der eigenen Bank widersprochen werden.“
Christine Z. wird jetzt außerdem eine neue Telefonnummer beantragen. „Ich denke, dann Ruhe zu haben“, hofft sie.

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