Durchfahrtverbot gefordert
Energischer Protest gegen Mautpflicht
Mittwoch, 24. Februar 2010 20:13
- Von Timo Jann
Lauenburg. Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch – und alles scheint noch schlimmer als befürchtet.
Den Lkw-Verkehr in Lauenburg empfinden viele Menschen in der Stadt mittlerweile unerträglich. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil schwerer Lastwagen auf der B5 stellenweise verdopelt.
Wurden vor zehn Jahren auf der Bundesstraße5 im Westen von Lauenburg 6591 Fahrzeuge, davon 493 Laster gezählt, waren es im vergangenen Jahr 9863 Fahrzeuge, davon 923 Laster. Im Osten der Stadt wurden 10.628 Fahrzeuge, davon 1088 Laster gezählt. Im vergangenen Jahr sank zwar die Gesamtzahl leicht auf 10067 Fahrzeuge, doch der Schwerlast-Anteil stieg deutlich – auf 1769 Fahrzeuge.
„Diesen Lkw-Anteil haben wir sonst in Schleswig-Holstein nur auf Autobahnen, und da gehören die Laster auch hin“, sagte Kurt Richter, verantwortlicher Abteilungsleiter im Kieler Verkehrsministerium. Dafür bekam er zunächst Beifall. Doch sein Angebot, dass Lauenburg bei der für den Sommer geplanten Deckenerneuerung eines Teils der B5 ja Flüsterasphalt einbauen lassen könnte, brachte ihm Buh-Rufe aus dem Publikum ein. Fast 500 Lauenburger waren zur Vorstellung der Verkehrszahlen gekommen.
„Wir hier in Lauenburg haben Angst“, brachte Anwohner Jürgen Mehl die Sorgen auf den Punkt. „Wenn man hier nicht aufpasst und auf dem Bürgersteig steht, fahren die Lkw einem die Knöpfe ab", klagte Anwohner Martin Janßen. Er hatte sich die Mühe gemacht und die Daten, die der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) im Juni 2009 ermittelt hatte, ausgewertet. Nach seiner Berechnung fährt alle 79 Sekunden ein Laster durch Lauenburg. Das Bürgeraktionsbündnis (BAB) „Lauenburg reicht’s“ will sich das nicht mehr gefallen lassen.
„Nach der Überwindung der Krise im Hamburger Hafen werden wir in Lauenburg ein deutliches Plus beim Schwerlastverkehr haben, fürchtet Bernhard Radomski vom BAB. Und auch der Plan der Stadt, ein Containerterminal zu errichten, werde mehr Lasterverkehr bedeuten. „Die Laster rasen in Kolonnen durch Lauenburg und halten an Ampeln gar nicht erst an“, schilderte Radomski seine Beobachtungen.
Die Stadt haben die Bürger mittlerweile auf ihrer Seite. „So sind die Ergebnisse nicht mehr hinnehmbar“, machte Bürgervorsteher Andreas Lojek deutlich. Die Stadt fordert deshalb eine Sperrung der B5 für schwere Laster. „Eine Bemautung würde den Verkehr in der Stadt nur legalisieren, deshalb wollen wir zwischen Hamburg und Ludwigslust ein Durchfahrtsverbot für Lkw über zwölf Tonnen“, so Lojek. Das Kieler Verkehrsministerium führt zurzeit Gespräche, für die B5 eine Mautpflicht einzurichten. Denn sie wird vor allem genutzt, um die Nutzungsgebühr der A24 zu umgehen. „Das bringt uns gar nichts, und das muss man auch in Kiel endlich kapieren. Uns hilft es nicht, wenn die Laster mit Maut durch Lauenburg rollen, denn für viele ist der Weg durch die Stadt auch noch kürzer als die Autobahn. Wir brauchen die Sperrung für den Durchgangsverkehr“, sagt BAB-Sprecherin Maja Bienwald.
Die Verkehrszählung des LBV gibt genau Auskunft, woher die Laster kommen. Gut jeder vierte kommt aus dem Ausland, 35 Prozent sind regionaler Verkehr, 39 Prozent fahren überregional. Die ausländischen Trucker sind vor allem am späten Nachmittag, abends und nachts unterwegs – wenn der „normale“ Verkehr durch ist und sie freie Fahrt haben. Wie eine Kontrolle der Polizei ergab, sind einige 40-Tonner auf der B5 mit über 100 km/h unterwegs.
Bergedorfer Zeitung Online
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