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SOS-Signale vom "Kaiser Wilhelm“

Lauenburg. Weil Personal für Maschine und Deck fehlt, ist der Saisonstart des historischen Raddampfers "Kaiser Wilhelm" gefährdet.
Der Raddampfer "Kaiser Wilhelm" auf der Elbe.
Foto: tja
Der Raddampfer "Kaiser Wilhelm" auf der Elbe.
Vor 111 Jahren wurde er von der Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft AG fertiggestellt und an die „Oberweser-Dampfschiffahrt“ des Hamelner Mühlenbesitzers F.W. Meyer abgeliefert, war dort 70 Jahre im Liniendienst eingesetzt und wurde dann ausgemustert. Vor 40 Jahren rettete ihn der 1967 gegründete Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums vor dem Verschrotten und holte ihn in die Elbestadt, wo er seitdem in den Sommermonaten als „Erste deutsche Museumsdampferlinie“ mit Touristen über die Oberelbe schippert.
Doch dieses Jahr steht für den Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ unter keinem guten Vorzeichen. Auf der Internetseite www.raddampfer-kaiser-wilhelm.de sucht man den für Ende Januar angekündigten Fahrplan vergeblich. „Die Terminierung war wohl etwas optimistisch“, gesteht Dr. Ernst Schmidt, Einsatzleiter des Museumsdampfers, ein. Denn wie vor jeder Saison ist er noch auf der Suche nach neuen Besatzungsmitgliedern.
Das Hauptproblem: Der Leitende Maschinist Detlef Bülow (68), der zur Saisonvorbereitung auf der Hitzler-Werft und vor jedem Fahrtag aus Berlin anreiste, ist am Herzen operiert worden und „nicht mehr so leistungs- und einsatzfähig“ (Schmidt). Ersatz muss her – und der ist schwer zu finden. „Es haben sich zwar etliche Bewerber gemeldet, aber entweder waren die nicht über den Dampf zur Schifffahrt gekommen und konnten die erforderliche Kesselwärterprüfung nicht nachweisen oder sie hatten falsche Vorstellungen. Dienstbeginn um 9 Uhr, wenn der Dampfer um 9.15 Uhr ablegt, passt nicht zusammen. Die Liegezeit auf der Werft und die Arbeitswochenenden verlangen vollen Einsatz“, erklärt der „Kaiser-Vater“ die Voraussetzungen für die Mitarbeit an Bord. Hoffnung investiert Dr. Schmidt in einen interessierten Kandidaten, der alle Voraussetzungen erfüllt. Der allerdings wohnt 400 Kilometer von Lauenburg entfernt.
Die Nähe zu den Werften in Hamburg, Lübeck und an der Oberelbe nährt zudem eine zweite Hoffnung: „Vielleicht findet sich in der Nachbarschaft doch noch der eine oder andere Technik-Haudegen, der sich mit der Zweifach-Expansionsdampfmaschine und dem kohlebefeuerten Zweifallrohrkessel auskennt und Spaß an der Wartung und der Bedienung hat.“
Den eigenen Nachwuchs heranzuzüchten, wie es historische Eisenbahnvereine tun, ist auf dem Raddampfer nicht möglich. Den Eisenbahnern stehen ihre Züge, der Bahnhof und die Werkstatt das ganze Jahr über zur Verfügung. Wir sind den Winter über im Eis gefangen und können nicht fahren – und damit auch nicht ausbilden“, sagt der Einsatzleiter. Freuen würde er sich über Anrufe von Interessenten, auch für den Dienst an Deck. Zu erreichen ist Dr. Schmidt unter Tel. (04102) 61735 (mittwochs und donnerstags von 18 bis 20 Uhr).
Ob der „Kaiser Wilhelm“ Ende Mai in seine 40. Saison starten kann, hängt also in erster Linie von der Personalplanung ab. Dass er fahren wird, ist für Dr. Schmidt Ehrensache: „Sobald der Fahrplan steht, wird er wie in jeder Saison im Einsatz sein. Ob wir das volle Programm garantieren können, steht jedoch noch nicht fest.“
Im Moment liegt der Raddampfer im Schatten des großen Getreidesilos im Hafen von Bleckede. Dorthin musste er ausweichen, weil das Wasser- und Schifffahrtsamt die Nutzung des bisherigen Liegeplatzes im Lauenburger Hafen untersagt hatte: Kollisionsgefahr mit Schiffen, die nach dem Entladen am Lösch- und Ladeplatz rückwärts von der Schleuse zur Elbe fahren müssen. Ob es im kommenden Winter wieder ein Quartier in Lauenburg geben wird, steht für Dr. Schmidt in den Sternen: Verhandlungen laufen.
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