"Kaiser Wilhelm"
Der Teufel steckt im Detail
Donnerstag, 30. Juli 2009 21:36
- Von Timo Jann
Lauenburg. Der 109 Jahre alte Raddampfer "Kaiser Wilhelm" aus Lauenburg steckt weiter in der technischen Zwangspause. Doch der Schaden ist aufgespürt, mit der Reparatur wurde begonnen.
„Wir werden wohl am erst wieder am 8. und 9. August planmäßig fahren können“, berichtet Dr. Ernst Schmidt von der Betriebsführung des Museumsschiffes.
Seit gut zwei Wochen ist das historische Schiff außer Betrieb. Während einer Fahrt auf der Elbe gab es plötzlich Probleme bei der Dampfverteilung (wir berichteten). Nun wurde der Schaden aufgespürt und mit der Reparatur begonnen. „Das ist wie beim Menschen, wenn er Arthrose hat. Da ist einfach ein Teil wegen Altersschwäche zerbrochen“, erklärt Maschinist Detlef Bülow. „Das ist zwar ärgerlich, aber unser Dampfer ist 109 Jahre alt, da kann so etwas schon einmal passieren. Das defekte Teil war noch original“, sagt der Maschinist.
168 PS leistet die Zweifach-Expansionsdampfmaschine, die den historischen Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ antreibt, im Normalfall. Mit einem Druck von zwölf bar strömt der Dampf dann durch die Einströmkanäle. Dieser Kraft konnte das Gusseisen nicht mehr standhalten. „Es ist das kleinste Bauteil, aber das, wo man am blödesten ran kommt“, klagt Bülow.
Mit Christian Colberg, Monteur bei der Norderstedter Firma Metalock, haben die Crewmitglieder des Kaisers einen Experten an Bord, der den Schaden behebt. „Ich habe zunächst eine Schablone aus Pappe geschnitten, die dann als Vorlage diente, um aus einem Gussblock das kaputte Teil nachzubauen. Diese Prothese haben wir jetzt eingeschweißt und eingeschraubt, jetzt geht es noch darum, es ganz dicht einzupassen, damit kein Dampf entweichen kann“, berichtet Colberg. Eine große Fummelei auf engstem Raum unter Deck. Colberg und seine Kollegen sind weltweit aktiv, um Schiffe wieder flott zu machen. „Aber so ein alter Dampfer ist natürlich etwas besonderes“, sagt er.
Mit etwas Glück kann an diesem Wochenende bereits ein Maschinentest im Stand erfolgen. Für Montag ist dann eine Probefahrt geplant. Wenn alles funktioniert, soll es am 8. und 9. August planmäßig jeweils um 9.15 und 14.45 Uhr vom Anleger an der Lauenburger Elbuferpromenade nach Bleckede gehen.
Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ wurde im Mai 1900 von der Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft AG (Baunummer 386) an die Oberweser Dampfschifffahrt geliefert. Der „Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums“ hat das Schiff 1970 übernommen. Seit 1971 fährt es in den Sommermonaten auf der Elbe. „Der Kaiser“ steht unter Denkmalschutz und gilt wegen seiner Originalität als technisches und kulturelles Zeitdokument.
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